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Rechtsterrorismus:Die Taten sprechen für sich

Der Attentäter von Hanau ermordete neun Menschen in Shisha-Bars - und soll gleichwohl kein Rassist gewesen sein? Das sagt zumindest das BKA. Kein Wunder, dass die Angehörigen der Opfer empört aufschreien.

Von Annette Ramelsberger

In Shisha-Bars ermordete der Attentäter von Hanau neun Menschen, und soll doch kein Rassist gewesen sein - auch wenn er rassistisch handelte. Das ist die Essenz der Ermittlungen des Bundeskriminalamts. Das BKA sagt: Der Mann habe seine Opfer nur ausgesucht, um Aufmerksamkeit für seine Wahnvorstellungen zu erhalten.

Da ist es nur folgerichtig, dass die Familien der Opfer aufschreien. Denn wo bleibt die Logik? Wäre die Aufmerksamkeit nicht noch größer, wenn der Attentäter nur blonde und blauäugige Menschen erschossen hätte? Und ist einer zwangsläufig kein Rassist, wenn er sich nett um seinen dunkelhäutigen Nachbarn kümmerte wie der Attentäter von Hanau? Nein, rassistische Täter können durchaus ihren persönlichen Migrantenfreund haben und dennoch auf andere Zuwanderer schießen. Gemäß dem Motto von NS-Reichsmarschall Hermann Göring: "Wer Jude ist, bestimme ich." Auch die Terroristen des NSU gingen gerne beim Griechen essen - es hielt sie nicht davon ab, in München einen Griechen zu töten. Und auch der Attentäter von Halle, der dort die Synagoge überfallen wollte, hat ein interessantes Selbstbild: Er sieht sich zwar als Antisemiten, aber nicht als rechtsradikal.

Es ist nicht einfach, oft überlappen sich die Motive. Besser als an ihren Worten kann man Attentäter an ihren Taten erkennen.

© SZ vom 31.03.2020

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