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Rechtspopulisten in Europa:Heute sitzen Haiders Erben nicht nur in Österreich

All das lässt sich weniger politisch als vielmehr psychologisch deuten. Sein Handeln hatte nicht immer mit der Ratio, sondern viel mit Emotionen zu tun - aber genau darin liegt ja auch Haiders eigentliches Erbe. Denn er hat vorgemacht, wie man mit Aggressivität und Hemmungslosigkeit Aufmerksamkeit erregt, wie man durch Regelverstöße und Tabubrüche nach oben kommt, wie man zugleich Feindbilder schürt und den eigenen Opfermythos pflegt. Ach ja: Und wie man dabei auch noch bella figura macht.

Mit dieser im Kern ideologiefreien Methode hat er eine Vielzahl gelehriger Schüler gefunden. Doch dass die Saat aufging und die Epigonen heute überall nach vorn drängen, ist gewiss nicht nur Haiders zweifelhafter Verdienst. Geschuldet ist das eher einem politischen Klimawandel, den die Populisten nicht bewirkt, sondern nur genutzt haben. In den globalisierten Gesellschaften werden Krisen meist als Großkrisen erlebt, vom Bankencrash bis zur Flüchtlingswelle. Das löst Ängste aus, und davon leben all die Rattenfänger, die Sicherheit versprechen und alte Stärke.

Der Pate der heutigen Populisten: Wladimir Putin

So sind zehn Jahre nach Jörg Haiders Unfalltod die Rechtspopulisten in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dafür sind die Gesellschaften oft weit nach rechts gerückt. Als Haiders FPÖ anno 2000 plötzlich in Wien mitregierte, da reagierten die verstörten Partner in der Europäische Union noch mit Strafmaßnahmen.

Heute sitzen Haiders Erben nicht nur in Österreich, sondern auch in zahlreichen anderen EU-Ländern an den Schalthebeln der Macht, in fast allen sind sie im Parlament vertreten. Im Verbund hetzen sie, wie gerade wieder die Französin Marine Le Pen und Italiens Innenminister Matteo Salvini, gegen den Brüsseler "Bunker", den sie aufzubrechen drohen.

Da hat sich eine Front formiert, die vereint enorme destruktive Kräfte entfalten kann. Haider mag von solchen Zusammenschlüssen schon geträumt haben, als er 2002 einmal Vertreter rechter Parteien aus anderen europäischen Ländern zum Kennenlernen nach Kärnten einlud. Damals war das eher ein Spielchen, außenpolitisch irrlichterte Haider ohnehin durch die Welt und umschmeichelte gern auch mal Saddam Hussein oder Muammar al-Gaddafi. Die Populisten von heute haben dagegen fast alle einen gemeinsamen Paten gefunden: Wladimir Putin, den russischen Präsidenten.

Von solchen Strukturen waren die Rechten zu Haiders Zeiten noch weit entfernt. Das Spielfeld ist heute viel größer - und auch die Gefahr.

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