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Rechtsextremist Küssel:Wiener Polizei nimmt Nazi-Hetzer fest

Der bekannte Neonazi Gottfried Küssel ist in Wien festgenommen worden. Er gilt als Hintermann einer antisemitischen Webseite - auch bei einer Durchsuchung wurden die Ermittler fündig.

Er gilt als Schlüsselfigur in der rechtsextremen Szene Österreichs: In der Nacht auf Dienstag sind in Wien der bekannte Neonazi Gottfried Küssel und ein Gesinnungsgenosse festgenommen worden.

http://alpen-donau.info/ Neonazi Gottfried Küssel Rechtsextremismus

Plattform für Neonazis: Screenshot der inzwischen gesperrten Webseite alpen-donau.info

(Foto: sueddeutsche.de)

Die Staatsanwaltschaft ermittle gegen den 52-Jährigen in Zusammenhang mit der Neonazi-Homepage alpen-donau.info, sagte ein Behördensprecher der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Bei Hausdurchsuchungen seien Unterlagen, Computer und Datenträger, Waffen und NS-Devotionalien beschlagnahmt worden.

Küssel gilt als mutmaßlicher Drahtzieher hinter der Internetseite, die 2009 mit antisemitischen und gewaltverherrlichenden Inhalten online ging. Unter anderem war darauf von der "Gaskammerlüge" die Rede. Dem Blick nach rechts zufolge galt die Seite als zentrale Propagandaplattform der braunen Kader und der rechten FPÖ-Funktionäre.

Seit Mitte des vergangenen Jahres liefen Ermittlungen gegen die Seite sowie das nicht-öffentliche Forum alinfodo.com. Im vergangenen Herbst wurden österreichischen Medienberichten zufolge 18 Hausdurchsuchungen bei einschlägigen Köpfen der österreichischen Szene in fünf Bundesländern durchgeführt, im März wurde der Druck dann offenbar zu groß: Die Seite ging plötzlich offline.

Die Ermittlungen in Österreich gegen die Hintermänner der Seite, die über einen Server in den USA betrieben wurde, waren immer wieder als schleppend kritisiert worden und hatten den den Parteien Stoff für gegenseitige Anschuldigungen gegeben.

Freimütige Bekenntnisse zum Nationalsozialismus

Küssel hatte 1986 die später verbotene Volkstreue Außerparlamentarische Opposition (VAPO) gegründet. In den 1980er und 1990er Jahren trat er als Redner auf einschlägigen Veranstaltungen auf. Er war auch in Deutschland aktiv und hielt engen Kontakt zu Michael Kühnen, einem der einflussreichsten Extremisten in der militanten deutschen Neonaziszene.

Küssel bekannte sich in den Medien und vor Gericht immer wieder freimütig zum Nationalsozialismus: 1993 wurde er in Wien in erster Instanz zu zehn Jahren Haft wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt, ein Jahr später hob der Oberste Gerichtshof das Urteil teilweise wieder auf. Bei der Wiederholungsverhandlung wurde Küssel zu elf Jahren Haft verurteilt, kam aber 1999 wegen guter Führung frei. Deutschland hatte gegen Küssel 1991 ein Einreiseverbot verhängt.