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Rechtsextremismus unter Jugendlichen:Alles in einem Topf

Dem methodischen Murks zum Trotz hat Pfeiffer den Rechtstrend der deutschen Jugendlichen richtig erkannt. Leider weiß er damit wenig anzufangen. In Berlin warb er für Ganztagsschulen - damit Jugendliche nachmittags nicht auf dumme Gedanken kommen. Schäuble sagte, er wolle die Prävention intensivieren, was immer das heißen mag.

Zeigten sich bei der Vorstellung der Studie sehr besorgt: Christian Pfeiffer (l.) und Wolfgang Schäuble.

(Foto: Foto: Reuters)

Vom Bedürfnis nach Ächtung

Es ist wie immer: große Panik, kleine Vorschläge. Wofür sich weder Pfeiffer noch Schäuble ernsthaft interessieren, ist ihr Forschungsgegenstand. Sie fragen nicht, warum vor allem junge Männer nach rechts außen tendieren. Sie sitzen nur vor ihrer Studie und sagen: Geh weg!

Der wohl wichtigste Grund für die Faszination rechter bis rechtsextremer Ideen hat nichts mit Ganztagsschulen zu tun. Es ist die Tatsache, dass Rechtssein heute und in diesem Land wie wenig anderes ein jugendliches Grundbedürfnis befriedigt: das nach Rebellion, Provokation, ja, Ächtung. Das weiß jeder, der sich mal die Mühe gemacht hat, mit rechten Jugendlichen statt nur über sie zu reden. Wo die Mehrheit links steht und selbst CSU-Minister "gegen rechts" auftreten, liegt das subversive Potential nicht mehr da, wo es vor 40 Jahren lag. Im Gegenteil, die Rebellion von einst wird von vielen Jungen als bleierne Doktrin erlebt, als "Morbus 68" (Uwe Tellkamp).

Die tonangebende Generation der heute 50- bis 70-Jährigen (Pfeiffer ist 65, Schäuble 66) setzt - aus nachvollziehbaren Gründen - alles Rechte automatisch mit dem Nazi-Ungeist ihrer Eltern gleich, den sie dankenswerter Weise aus Amt und Würden gejagt hat. Dass die neuen mit den alten Rechtsextremen aber kaum noch etwas gemeinsam haben, ignorieren sie. Oder sie erklären es für politische Mimikry, was nicht immer, aber oft falsch ist.

Differenzierung verboten

Außerdem führt es zu einem Meinungsklima, das nicht unterscheidet, etwa zwischen dem christlichen Rechtskonservatismus einer Jungen Freiheit und dem militanten Extremismus einer Deutschen Stimme. Ob Herr Pfeiffer die "nationalen Videoaktivisten" kennt, die im Internet poppig gegen Freihandel und Massentierhaltung und für die abstinenzlerische "Straight Edge"-Philosophie demonstrieren? Würde er diese Leute befragen, kämen ihre Antworten von ganz links bis ganz rechts, hätten in der Summe aber wenig mit Schäubles Partei der Mitte zu tun.

Wer seine Gegner nicht kennt, kann sie kaum schlagen. Er macht sie, im Gegenteil, oft sogar stärker. Bestes Beispiel ist die fruchtlose Diskussion über ein NPD-Verbot, welche die Partei größer macht als sie ist und ihr erlaubt, sich als Stimme des jungen Protests zu gerieren. "Hier kommt der Schrecken aller linken Spießer und Pauker" steht auf ihrer "Schulhof-CD".

Der Grund, weshalb die NPD trotzdem nur in zwei Landtagen sitzt und eine überschaubare Mitgliederzahl hat, ist nicht der "Kampf gegen rechts", es ist die Partei selbst. Wie man gerade wieder beobachten kann, schafft es keiner, die NPD effektiver zu bekämpfen als die verschwitzten Kleinbürger an ihrer eigenen Spitze. So lange diese Leute ihre Arbeit machen, ist die Jugend nicht verloren.

© SZ vom 24.03.2009/mati
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