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Angriff von Halle:Immer wieder rechte Gewalt in Deutschland

Rechtsextremismus: Demonstration gegen den Verfassungsschutz 2014 in München

Ein Demonstrant übermalt während einer Demonstration gegen den Verfassungsschutz die Fahndungsbilder der NSU-Mitglieder Zschäpe (l-r), Böhnhardt und Mundlos.

(Foto: picture alliance / dpa)

Rechtsextreme Anschläge geschehen in trauriger Regelmäßigkeit - der Angriff von Halle ist nur der neueste Fall. Ein Überblick.

Rechte verüben in Deutschland mit trauriger Regelmäßigkeit Gewalt. Die Bundesregierung spricht seit 1990 von mindestens 84 Toten durch Rechtsextreme - und ihre Zählung wird von Kritikern als viel zu streng und dadurch verharmlosend gewertet. Die Amadeo-Antonio-Stiftung, selbst benannt nach einem Todesopfer rechter Gewalt, kommt nach dem Anschlag von Halle in ihrer Zählung auf mindestens 198 Tote seit der Wiedervereinigung. Und in dieser Statistik sind Gewaltverbrechen ohne Tote noch nicht einmal erfasst.

Nur wenige rechtsextreme Gewalttaten erregen so große Aufmerksamkeit wie der Angriff auf eine Synagoge in Halle oder die Mordserie des NSU - eine der tödlichsten Terrorgruppen in der Geschichte der Bundesrepublik. Aber immer wieder gelangen einzelne Fälle zu trauriger Berühmtheit. Einige Beispiele von vielen:

  • Der bereits erwähnte Amadeu António Kiowa gilt als eines der ersten Todesopfer rechter Gewalt nach dem Mauerfall. Am 24. November 1990 gerät er in Eberswalde an eine Gruppe junger Neonazis, die "irgendwelche Ausländer zusammenkloppen" wollen. Sie schlagen ihn brutal zusammen und springen mehrfach auf seinen Kopf, als er am Boden liegt. Zwei Wochen später stirbt Kiowa an den Folgen des Angriffs.
  • 1992 kommt es an einem Wohnheim für Asylbewerber und vietnamesische Arbeiter in Rostock-Lichtenhagen zu Pogromen. Unter dem Applaus Tausender Schaulustiger werfen Rechtsextreme Steine und Brandsätze. Die Polizei zieht sich zeitweise zurück. Wie durch ein Wunder kommt niemand ums Leben.
  • Im selben Jahr verüben Rechtsextreme auch in anderen Städten Brandanschläge auf die Wohnhäuser von als ausländisch wahrgenommenen Menschen. In Mölln in Schleswig-Holstein sterben drei Menschen, darunter zwei Kinder. Und im nordrhein-westfälischen Solingen sterben fünf türkischstämmige Frauen und Mädchen, als Rechte ihr Wohnhaus anzünden.
  • Im Jahr 2000 beginnt dann die tödliche Mordserie der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Über einen Zeitraum von mindestens sieben Jahren ermordet das Trio aus Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe zehn Menschen in ganz Deutschland, neun davon mit Migrationshintergrund, und verübt Mordversuche und Sprengstoffanschläge. Auch Synagogen kundschafteten die Terroristen aus, schritten aber nicht zur Tat.
  • 2015 bildet sich in Freital in Sachsen die rechtsterroristische Vereinigung "Gruppe Freital", die im Herbst 2015 mehrere Anschläge auf Asylbewerberunterkünfte verübt. Auch hier ist es reines Glück, dass es keine Toten oder Schwerverletzten gibt. 2018 werden acht Mitglieder der Gruppe zu Gefängnisstrafen zwischen vier und acht Jahren verurteilt.
  • Der CDU-Politiker Andreas Hollstein wird 2017 zum Opfer eines rechts motivierten Angreifers. Der Mann attackiert Hollstein in einem Döner-Imbiss und rammt ihm ein Messer in den Hals. Dabei schreit der alkoholisierte Täter ausländerfeindliche Parolen. Das beherzte Eingreifen des Ladenbesitzers und seines Sohnes, die den Angreifer überwältigten, rettet Hollstein vermutlich das Leben.
  • Im August 2018 stirbt im sächsischen Chemnitz ein Deutscher durch Messerstiche - mutmaßlich in einer Auseinandersetzung mit Flüchtlingen. In den Tagen danach kommt es in der Stadt zu fremdenfeindlichen Protesten und Übergriffen. Auch ein koscheres Restaurant wird angegriffen. Ein rechtsextremistisches Motiv liegt nach Angaben der Polizei nahe.
  • Eines der aktuellsten prominenten Opfer ist der Politiker Walter Lübcke, ebenfalls von der CDU. Mit seinem Eintreten für die Rechte von Geflüchteten erzürnte er die rechte Szene in ganz Deutschland - und mutmaßlich den Rechtsextremen Stephan E. so sehr, dass er zur Waffe greift und Lübcke am 2. Juni 2019 aus nächster Nähe erschießt. Nach seiner Verhaftung legt er zunächst ein Geständnis ab, das er später widerruft. Der Prozess gegen ihn läuft noch.
In eigener Sache

Der Täter von Halle (Saale) hat im Internet ein Video seines Anschlags und außerdem ein sogenanntes Manifest veröffentlicht. Der SZ liegen diese vor, wir veröffentlichen sie aber nicht. Terroristen versuchen, im Internet ihr Gedankengut zu verbreiten. Die SZ macht sich nicht zum Werkzeug dieser Strategie. Aus diesem Grund zeigen wir ebenfalls keine Bilder expliziter Gewalt und achten darauf, in der Berichterstattung über Details zur Tat die Würde der Opfer zu wahren.

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