Rostock-Lichtenhagen – Die letzte Nacht der Gewalt

Nach den Pogromen setzten sowohl die Rostocker Bürgerschaft als auch der Schweriner Landtag einen Untersuchungsausschuss ein. Rostocks Bürgermeister Klaus Kilimann (SPD) trat nach Veröffentlichung des Bürgerschafts-Berichtes zurück, ebenso Mecklenburg-Vorpommerns damaliger Innenminister Lothar Kupfer (CDU). Ministerpräsident Berndt Seite (CDU) blieb im Amt, er sagte im Sommer 1992: "Die Vorfälle zeigen, dass die Bevölkerung durch den ungebremsten Zustrom von Asylanten überfordert wird."

Das unkoordinierte Eingreifen der Polizeikräfte, aber vor allem auch die zögerliche Reaktion von politischer Seite, ließ schon bald den Verdacht aufkommen, dass die CDU-Regierung des Landes und des Bundes der Situation in Lichtenhagen ganz bewusst ihren Lauf gelassen hatte, um die Notwendigkeit eines verschärften Asylgesetzes zu untermauern. Bis heute ist er nicht aus der Welt geräumt. Nur wenige Monate nach den Vorfällen in Lichtenhagen wurde mit dem sogenannten "Asylkompromiss" das uneingeschränkte Grundrecht auf Asyl beseitigt.

Bild: dpa 22. August 2017, 14:162017-08-22 14:16:30 © sueddeutsche.de/jum/joku/gal/odg