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Reaktionen: Wende im Verfahren um Ex-IWF-Chef:"Mit Strauss-Kahn ist wieder zu rechnen"

Die Zeugin nicht glaubwürdig, der Vergewaltigungsprozess gegen Dominique Strauss-Kahn kurz vor dem Scheitern? Auch wenn sich die Staatsanwaltschaft noch nicht geäußert hat, jubeln die französischen Sozialisten bereits. Viele hoffen auf ein Comeback des politischen Schwergewichts - und auch im gegnerischen Lager würden einige DSK gerne als Präsidentschaftkandidaten sehen.

"Die Stunde, in der sich für Dominique Strauss-Kahn alles änderte": Mit diesem Titel liegt die französische Zeitung Le Figaro an diesem Freitag am Kiosk. Gemeint ist eigentlich der Moment am 14. Mai 2011, als der damalige IWF-Chef wegen des Verdachts auf versuchte Vergewaltigung einer Hotelangestellten in New York festgenommen wurde.

Doch während die Zeitung in Paris gedruckt wurde, scheint sich das Blatt für Dominique Strauss-Kahn ein weiteres Mal gewendet zu haben. Zeitgleich berichtete die New York Times unter Berufung auf Justizbeamte, die Anklage gegen Strauss-Kahn stehe kurz vor dem Zusammenbruch. Die Staatsanwaltschaft habe inzwischen Zweifel an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers bekommen.

Als "Donnerschlag" für seine Partei bezeichnete der ehemalige sozialistische Premierminister Lionel Jospin diese Neuigkeit. Bis zu seiner Verhaftung galt der 62-jährige Strauss-Kahn als aussichtsreichster Kandidat der Parti socialiste (PS) bei der Präsidentschaftswahl 2012. Auch wenn die meisten Sozialisten betonen, dass erst einmal abzuwarten ist, was das New Yorker Gericht an diesem Freitagabend (17:30 Uhr MESZ) zu sagen hat, so macht sich doch unverhohlene Freude bei den Politikern breit - und die Hoffnung auf eine Rückkehr des DSK genannten politischen Schwergewichts.

"Wenn diese Nachrichten heute Abend bestätigt werden, gibt es wieder Grund zum Strahlen", findet der DSK-Vertraute Christophe Cambadélis. "Alle, die auf sein politisches Ende spekuliert haben, müssen nun wieder mit ihm rechnen", prognostiziert Jean-Marie Le Guen. Ein anderer Abgeordneter kann seine Schadenfreude nicht verbergen, als er sich vorstellt, welches Gesicht Präsident Nicolas Sarkozy und seine Anhänger wohl gemacht haben, als sie von der neuesten Entwicklung im Fall DSK erfahren haben.

Es gibt sogar schon konkrete Forderungen, die Strauss-Kahn den Wiedereinstieg in die Politik erleichtern sollen: Michèle Sabban etwa, die Vizepräsidentin des Conseil Régional der Pariser Region, möchte die Vorwahlen der PS vorübergehend aussetzen. Seit 28. Juni ist die Kandidatensuche der Sozialisten offiziell eröffnet, bis zum 13. Juli muss sich jeder Interessierte erklärt haben. Im Herbst soll über den Kandidaten abstimmt werden. Bisher bewerben sich fünf Sozialisten, unter anderem Parteichefin Martine Aubry.

Diese will sich erst nach der Stellungnahme des New Yorker Gerichts am Freitagabend ausführlich zu Wort melden. "Ich hoffe, dass die amerikanische Justiz diesen Albtraum für Dominique beendet", sagte sie am Morgen. Auch François Hollande, ehemaliger Parteichef und ebenfalls Kandidat, beschränkte sich auf die Folgen für Strauss-Kahns Privatleben: "Für ihn, seine Familie und alle, die ihm nahestehen, wäre das eine Befreiung." Ségolène Royal, die 2007 gegen Sarkozy antrat und verlor, äußerte sich hingegen wenig begeistert von einer Rückkehr: Von der möglichen juristischen Wende auf ein politisches Comeback zu schließen, sei "zu voreilig".

Bisher traute sich nur ein Politiker, den Namen des in New York unter Hausarrest Stehenden und das Wort "Präsidentschaftskandidat" im selben Atemzug zu nennen. "Wenn Dominique Strauss-Kahn unschuldig ist, kann er als Präsidentschaftkandidat antreten", sagte Jean-Louis Borloo, selbst Kandidat der gemäßigt konservativen Parti radical valoisien, die zu Sarkozys Parteienverbund UMP gehört. "Was hindert ihn daran, dorthin zurückzukehren, wo er war, wenn er Lust darauf und die Kraft dazu hat?"

Dass dieser Vorschlag ausgerechnet von einem Nichtsozialisten kommt, legt die Vermutung nahe, dass Strauss-Kahns Chancen auf ein politisches Comeback trotz allem außerordentlich gering sind.

Vergewaltigungsvorwurf gegen EX-IWF-Chef

Strauss-Kahns persönlicher Albtraum