Reaktionen:"Der Anfang vom Ende dieses Bundeskanzlers"

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Oppositionschefin Angela Merkel hat den Rücktritt von Gerhard Schröder vom Amt des SPD-Parteichefs als "Tag des Scheitern" bezeichnet. Aus der eigenen Partei kommt Zustimmung.

Schröder sei nun "Kanzler von Münteferings Gnaden". Der Rücktritt Schröders als SPD-Parteichef sei ein schlechter Tag für Deutschland, denn "wie kann man ein Land führen, wenn man nicht einmal die Mitglieder der eigenen Partei führen kann?", fragte die CDU-Partei- und Fraktionschefin Angela Merkel.

Das Scheitern Schröders sei unverkennbar. Er sei nun in der Hand von Herrn Müntefering. Die Reaktion des Kanzlers zeige einen "Autoritätsverlust auf ganzer Linie".

Die Partei werde nun bald verstehen, dass man nur laut genug rufen müsse, um die Führung zu Änderungen zu bewegen. Dies sei ein schlechtes Signal.

Der Chef der Schwesterpartei CSU, Edmund Stoiber, forderte den Rücktritt Schröders auch vom Amt des Regierungschefs: "Er müsste selbst zurücktreten als Kanzler, um Deutschland nach vorne zu bringen", sagte Stoiber. Es sei "ein gewaltiger Autoritätsverlust, wenn man als Parteivorsitzender gescheitert ist".

Hessen Ministerpräsident Roland Koch forderte wie Stoiber Schröders Rückritt aus als Kanzler. Der Rücktritt Schröders vom Parteivorsitz "mag die Seele vieler Sozialdemokraten befriedigen, er löst allerdings keines der Probleme in Deutschland".

Brandenburgs Ministerpräsident und SPD-Landesvorsitzender Matthias Platzeck hat den angekündigten Wechsel an der Spitze der Bundespartei als "verantwortungsvolle Entscheidung" gewürdigt. "Franz Müntefering ist der bestmögliche Nachfolger für Gerhard Schröder im Amt des Parteivorsitzenden", erklärte Platzeck.

Wie kaum ein anderer sei er in der Partei akzeptiert und habe das Vermögen, die Partei zusammenzuführen, ihre Kräfte zu bündeln und ihr neues Selbstbewusstsein zu geben.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement unterstützt ebenfalls die Entscheidung für Franz Müntefering als künftigen SPD-Vorsitzenden. Auf die Frage, ob dies ein Zeichen der Schwäche von Bundeskanzler Gerhard Schröder sei, sagte er: "Ganz im Gegenteil." Es gehe viel mehr um Arbeitsteilung und Konzentration im Modernisierungsprozess.

Auch die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis hat den Rückzug Schröders vom SPD-Vorsitz begrüßt. "Die Trennung wird der SPD und ihrer Politik gut tun", sagte sie. Sie erinnerte daran, dass man in Schleswig-Holstein "gute Erfahrungen mit der Trennung von Partei und Regierungsämtern gesammelt" habe.

Der kommende Parteichef Franz Müntefering genieße in der gesamten SPD hohes Ansehen. "Er trifft stets die Seelenlage der Partei", sagte Simonis.

Nordrhein-Westfalens SPD-Chef Harald Schartau hat den Schritt des Kanzlers begrüßt. "Das war eine historische Entscheidung in einer zugespitzten Situation", sagte er am Freitag in Düsseldorf. "Jeder wusste, dass etwas passieren musste", sagte Schartau.

Der Vorschlag, Franz Müntefering zu neuen Parteichef zu wählen, finde in der NRW-SPD uneingeschränkte Zustimmung. Mit Müntefering könne das Thema Gerechtigkeit vor einem ganz anderen Hintergrund diskutiert werden.

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer sagte, er setze darauf, gemeinsam mit Schröder und Müntefering den Reformprozess fortzusetzen.

Nach Ansicht des PDS-Vorsitzenden Lothar Bisky wird der Wechsel im SPD-Vorsitz nicht der erhoffte Befreiungsschlag für Kanzler Schröder sein. "Das ist nichts weiter als eine Reaktion auf die wachsende Unzufriedenheit in der SPD und in der Bevölkerung und das Eingeständnis gescheiterter Politik", erklärte Bisky.

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