Reaktionen auf Plagiatsverdacht Bayern-SPD will Guttenberg die fremden Federn rupfen

Guttenberg verteidigt seine Doktorarbeit und nennt den Plagiatsvorwurf "abstrus". Doch die politische Konkurrenz fordert, der Verteidigungsminister solle bis zur Klärung der Angelegenheit auf seinen akademischen Titel verzichten.

Der Verteidigungsminister trägt schon seit der Geburt einen klangvollen Titel: Freiherr zu Guttenberg. Zu seinem Doktortitel, mit dem er 2007 seine akademische Ausbildung abschloss, soll der CSU-Politiker jedoch mit fragwürdigen Methoden gekommen sein: Plagiatsvorwürfe stehen im Raum. Guttenbergs Gegner wollen dem Polit-Star die vermeintlich fremden Federn nun rupfen.

Der bayerische SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher hat Guttenberg aufgefordert, bis zur Klärung der Plagiatsvorwürfe auf seinen Doktortitel zu verzichten. Rinderspacher sagte am Mittwoch in München, der Verteidigungsminister solle sich an seiner Haltung im Umgang mit der Gorch Fock-Affäre orientieren, wo er den Schiffskapitän bis zur Prüfung aller Vorwürfe suspendiert hatte. Diesen Maßstab müsse er nun auch an sich selbst anlegen.

"Gravierender Vorwurf "

Die von einem Juraprofessor in der Dissertation des Ministers gefundenen, wortgleichen Parallelen mit fremden Texten ohne deren Angabe stellten einen "gravierenden Vorwurf gegen die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit" Guttenbergs dar, sagte der SPD-Politiker. Im Übrigen sei Guttenberg auch ohne Verwendung seines Doktortitels in der Lage, seine Ämter in Ministerium und Partei auszuüben.

Auch Gregor Gysi hat "Konsequenzen" gefordert, sollten die Vorwürfe zutreffen. Das sagte der Vorsitzende der Linken-Fraktion im Bundestag den Lübecker Nachrichten. Gysis Parteifreund Dietmar Bartsch sagte im Hinblick auf seine eigene Promotion 1990 an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften in der damaligen Sowjetunion: "Besser in Moskau promoviert, als irgendwo abgeschrieben".

Belustigt reagierte auch Grünen-Chefin Claudia Roth auf den Schummelverdacht gegen den CSU-Politiker. Mit Schmunzeln habe sie bei der Information über den Plagiatsvorwurf gedacht: "Wenn man schon abschreibt, dann sollte man sich wenigstens nicht erwischen lassen", sagte Roth der Leipziger Volkszeitung. Allerdings gelte "auch gegenüber Herrn zu Guttenberg (...) natürlich, bis zum Beweis des Gegenteils, die Unschuldsvermutung".

Guttenberg wies die Anschuldigungen indes zurück: "Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus", erklärte er in Berlin. Er sei aber gerne bereit zu prüfen, "ob bei über 1200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten". Er würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen. Guttenberg erklärte außerdem, keiner seiner Mitarbeiter habe an seiner Dissertation mitgewirkt: "Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung."

Auch Guttenbergs Doktorvater, der Jura-Professor Peter Häberle, hat seinen ehemaligen Schützling verteidigt: "Der Vorwurf ist absurd, die Arbeit ist kein Plagiat", sagte er der Bild-Zeitung. "Sie wurde von mir in zahlreichen Beratungsgesprächen eingehend kontrolliert." Gleichzeitig betonte der inzwischen emeritierte Wissenschaftler: "Herr zu Guttenberg war einer meiner besten Seminaristen und Doktoranden."

Parteifreund nimmt Guttenberg in Schutz

Unterstützung für den Freiherrn unter Plagiatsverdacht kommt auch aus den eigenen Reihen: Der CSU-Bundestagsabgeordnete und frühere rechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Geis, hat die Kritik an Guttenbergs Doktorarbeit scharf verurteilt. "Er wird von allen Seiten angegriffen, weil er ein so hohes Ansehen in der Bevölkerung hat", sagte er der Mitteldeutschen Zeitung. "Deshalb sucht man überall, um ihn mit Dreck beschmeißen zu können." Geis fügte hinzu: "Guttenberg ist eine Lichtgestalt. Und die muss runter vom Thron."

Der Bremer Jura-Professor Andreas Fischer-Lescano und der Frankfurter Jurist Felix Hanschmann hatten bei einer Überprüfung von Guttenbergs Doktorarbeit, die an der Universität Bayreuth mit der Bestnote summa cum laude bewertet worden war, mehrere Stellen entdeckt, in denen dieser ohne entsprechenden Hinweis fremde Texte zitierte.

Fischer-Lescano sagte in der Süddeutschen Zeitung, Guttenbergs Doktorarbeit sei an mehreren Stellen "ein dreistes Plagiat" und "eine Täuschung". Die Textduplikate zögen sich "durch die gesamte Arbeit und durch alle inhaltlichen Teile".

Ob Guttenberg womöglich der Doktortitel aberkannt wird, kann nur die Universität Bayreuth entscheiden. Ein Sprecher der Universität sagte, die Vorwürfe würden geprüft.

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