Reaktionen auf Nein zur Schlecker-Bürgschaft Linken-Chef geißelt FDP als "asoziale Trümmertruppe"

Der Bundesvorsitzende der Linken, Klaus Ernst, geht die Liberalen und deren Ablehnung einer Bürgschaft für die Drogeriemarktkette Schlecker hart an. Auch aus der Union kommen immer mehr kritische Töne. Die FDP rechtfertigt sich - und gibt Verdi-Chef Frank Bsirske eine Mitschuld an der Insolvenz.

In der schwarz-gelben Koalition in Berlin gibt es weiter Streit über das Vorgehen nach der Schlecker-Pleite. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Fraktion im Bundestag, Peter Altmaier (CDU), kritisierte im "rbb-Inforadio" die Haltung der FDP, eine Auffanggesellschaft für die mehr als 11.000 Schlecker-Mitarbeiterinnen scheitern zu lassen: "Ich bin schon der Auffassung, dass zur Politik auch ein gewisses Maß an Empathie und Mitgefühl gehört. Deshalb hätte ich es sehr begrüßt, wenn wir eine Auffanggesellschaft hätten bilden können."

Hat kein Verständnis für die Haltung der FDP: der Linke-Bundesvorsitzende Klaus Ernst.

(Foto: dpa)

Deutlich harschere Kritik an der Haltung der Liberalen kam aus der Linkspartei. "Die FDP ist eine asoziale Trümmertruppe", sagte der Linke-Bundesvorsitzende Klaus Ernst. Wer so handele, habe in deutschen Parlamenten nichts mehr zu suchen. Zu den niedrigen Umfragewerten der FDP sagte Ernst: "1,2 Prozent sind noch 1,2 Prozent zu viel."

Die FDP verteidigte dagegen ihre Ablehnung einer Auffanggesellschaft. "Wenn zu den kleinen Unternehmen der Pleitegeier kommt, dann kümmert sich keiner darum, weil keine Zeitungen und Kameras da sind. Aber um die Großen soll sich dann der Bundesadler kümmern? Das kann nicht richtig sein", sagte Parteichef Philipp Rösler dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag.

In der Rheinischen Post warf Rösler SPD, Grünen und Teilen der Union vor, mit ihrer Forderung einer staatlichen Lösung aus vermeintlich sozialen Gründen die Sachlage zu verkennen. "Mit der Bundesagentur für Arbeit existiert bereits eine Art Transfergesellschaft", betonte Rösler.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring sieht eine erhebliche Mitverantwortung von Verdi-Chef Frank Bsirske für die Schlecker-Pleite, weil er noch vor einigen Monaten zum Boykott von Schlecker wegen der angeblich so schlechten Bezahlung und Arbeitsbedingungen aufgerufen habe. "Bsirske hat entscheidend zum Niedergang der Firma Schlecker beigetragen", sagte Döring der Bild am Sonntag. "Und nun fordert Bsirske eine Transfergesellschaft, die einen Verbleib der Mitarbeiter in den Schlecker-Strukturen verlängert. Das ist pure Heuchelei."

Lehren aus dem Fall müsse die Partei nicht ziehen, sagte Döring der tageszeitung. "Es kommt ja wohl kaum zu Mangelversorgung mit Zahnpasta und Shampoo in Deutschland."