Reaktionen auf das Visa-Verbot "Unser Land ist mehr wert als eine Million Amerikas"

Der Iraker Fuad Sharef Suleman hatte gültige Papiere für die USA. Am Samstag wurde ihm und seiner Familie in Kairo die Weiterreise verwehrt.

(Foto: Ahmed Saad/Reuters)
  • Trumps Einreiseverbot für sieben muslimische Staaten hat in der arabischen Welt großen Ärger auf die angebliche Arroganz der USA ausgelöst.
  • Auch Iran möchte seinerseits ein Einreiseverbot für US-Amerikaner einführen.
  • Saudi-Arabien hingegen zeigt sich unbeeindruckt.
Von Dunja Ramadan

Es sind Zeilen des bekannten irakischen Dichters Ahmad Matar, die in diesen Tagen im arabischsprachigen Netz kursieren. Und sie dürften die Gemütslage vieler Menschen nach dem Einreiseverbot widerspiegeln: "Amerika hetzt die Hunde auf uns, und wir suchen Zuflucht bei ihnen. Daraufhin eröffnet Amerika das Feuer auf uns, um uns vor den Hunden zu schützen", schreibt er. "Am Ende überleben die Hunde, und wir sterben." Die Botschaft ist eindeutig: Es sind die Amerikaner, die den Terror in die islamische Welt gebracht haben. Der US-Einmarsch in den Irak im Jahr 2003 ist für viele Menschen in der Region der Beginn einer neuen Ära, die gezeichnet ist durch Unruhe und Instabilität. Nun stehe man allein im Kampf gegen den Terror und werde durch das Einreiseverbot sogar noch als Terrorist gebrandmarkt, so der Vorwurf. Viele Araber fühlen sich durch das Verbot in ihrer antiamerikanischen Haltung bestätigt.

Während in den sozialen Medien weitgehend Konsens über das Einreiseverbot herrscht, zeigt ein Blick in die arabischsprachigen Medien die unterschiedliche Interessenlage der Länder. In den betroffenen Nationen reagiert man meist mit Wut, mindestens mit Unverständnis. In Ländern wie Saudi-Arabien und den Golfemiraten hingegen zeigt man sich unbeeindruckt.

Die Mehrheit der irakischen Parlamentarier etwa fordert die Regierung in Bagdad auf, auch US-Bürger an der Einreise in den Irak zu hindern. Die irakische Abgeordnete Hanan al-Fatlawi nannte das Einreiseverbot für irakische Staatsangehörige eine Kränkung für das Land, es verstoße gegen die Menschenrechte. "Wir führen Krieg stellvertretend für die ganze Welt. Wir kämpfen an vorderster Front gegen die Terroristen, wir haben viele Opfer auf der eigenen Seite zu beklagen", sagte sie. Iraks Regierung müsse eine angemessene Antwort auf das Einreiseverbot finden, fordern die Parlamentarier. "Die Würde der Iraker muss wiederhergestellt werden", sagt der irakische Politiker Ahmed al-Jubouri.

Im Fernsehsender Al Jazeera werden irakische Bürger befragt. Ein älterer Mann sagt, es sei Donald Trumps Recht, sein Land zu schützen, aber er habe die falschen Staaten ausgewählt. Es sei nicht der Irak, der Terroristen produziere und unterstütze. Im Internet kursiert derzeit eine Landkarte, in der Saudi-Arabien als das Land gekennzeichnet ist, das die meisten Terroristen hervorbringe.

"Unser Land ist mehr wert als eine Million Amerikas", sagt ein Libyer

Ein weitere Aufnahme des Senders Al Jazeera zeigt die Wut von Bürgern in Libyen. Eine junge Frau redet sich in Rage und sagt, man habe sowieso kein Interesse, dorthin zu reisen, die Arroganz der Amerikaner nerve sie schon seit Langem. Ein anderer Mann sagt: "Unser Land ist mehr wert als eine Million Amerikas." Amerika solle sich aus diesen Ländern heraushalten, fordert er. Im Gegenzug würde man sehr gerne auf die Einreise verzichten.

Das sudanesische Außenministerium bestellte den amerikanischen Botschafter ein und sprach "Bedauern" über das Einreiseverbot aus. Auch das jemenitische Außenministerium meldete sich zu Wort und warnte die USA davor, die Menschen in Jemen als "Quelle des Terrorismus und Extremismus" zu diffamieren.

Besonders wütend reagierte die iranische Regierung. Teheran will nun auch US-Bürgern die Einreise nach Iran verbieten. Trump sieht Iran als Sponsor des Terrorismus und sprach sich mehrmals gegen das von Barack Obama geschlossene Atomabkommen mit Teheran aus. Saudi-Arabien, der Erzfeind Irans, sieht in Trump deshalb einen wichtigen Verbündeten. Während Muslime und Nichtmuslime in vielen Ländern demonstrierten, hielt sich Saudi-Arabien, das sich regelmäßig als Wächter des sunnitischen Islam bezeichnet, mit der Kritik zurück. Vielmehr besann sich König Salman auf seine politischen Ziele und telefonierte am Sonntag mit Donald Trump. Gemeinsam wollen sie gegen die "destabilisierenden Aktivitäten Irans" vorgehen, die Ausbreitung des islamistischen Terrors bekämpfen sowie Schutzzonen in den Kriegsländern Syrien und Jemen einrichten.

Das arabische Nachrichtenportal Die Meinung des Tages beklagt den fehlenden Aufschrei der meisten arabischen Länder. Man solle sich ein Beispiel am mexikanischen Präsidenten nehmen, der einen Besuch bei Donald Trump absagte, nachdem dieser den Bau einer Mauer zwischen den beiden Ländern per Dekret angeordnet hatte, heißt es da. "Länder wie Mexiko haben noch Respekt vor sich selbst und schützen die Würde ihrer Völker. Anders als die arabischen Länder, die Trump bereits bauchpinseln."

Der Chef der säkularen türkischen Oppositionspartei CHP, Kemal Kılıçdaroğlu, schrieb auf Twitter: "Diskriminierende Politik, die einen Unterschied zwischen den verschiedenen Religionen macht, schürt Terror. Alle Länder sollten gemeinsam gegen die kämpfen, die Religion für Terror missbrauchen." In der türkischen Zeitung Habertürk wirft man Trump Doppelmoral vor. Der Grund, warum Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Türkei vom Einreiseverbot verschont blieben, liege vor allem darin, dass Trump in diesen Ländern Geschäfte mache. Laut Washington Post verdiente Trump im vergangenen Jahr allein in der Türkei sehr gut: sechs Millionen Dollar aus Immobiliengeschäften.

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