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Reaktionen:"Ein charismatischer und starker Führer"

Reaktionen auf den Tod des "Comandante": Die einen loben Chávez' Verdienste, andere Politiker äußern sich eher nüchtern zum umstrittenen venezolanischen Staatschef. Die Linken in Lateinamerika trauern um ihr Idol.

Nach der Nachricht von Hugo Chávez' Tod haben Politiker weltweit ihr Beileid ausgesprochen. Der venezolanische Staatschef erlag am Dienstag einer Krebserkrankung. US-Präsident Barack Obama, den Chávez stets heftig kritisiert hatte, signalisierte das Interesse der USA an konstruktiven Beziehungen zu Caracas.

Der frühere US-Präsident Jimmy Carter veröffentlichte eine Erklärung zum Tod Chávez'. Obwohl die USA nicht mit "allen seinen Regierungsmethoden übereinstimmten", hätten sie nie Chávez' Einsatz "für die Verbesserung des Lebens von Millionen seiner Landsleute" bezweifelt. Chávez werde wegen seiner "kühnen Hervorhebung der Unabhängigkeit und Eigenständigkeit der Regierungen Lateinamerikas" in Erinnerung bleiben.

Gemeinsam mit anderen linksregierten lateinamerikanischen Staaten hatte Chávez die Bolivarianische Allianz für Amerika (Alba) gegründet. Zu US-Gegnern auf anderen Kontinenten, etwa dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, pflegte Chávez gute Beziehungen. Die Verstaatlichungs- und Umverteilungspolitik sicherte ihm die Unterstützung der ärmeren Bevölkerungsschichten.

Für seine Kritiker in Washington war Chávez dagegen ein Autokrat, der die Freiheit einschränkte und die Opposition unterdrückte. Die einflussreiche republikanische Kongressabgeordnete Ileana Ros-Lehtinen erklärte zu Chávez' Tod, dieser habe mehr als ein Jahrzehnt mit "Korruption, Einschüchterung, Manipulation und brutalen Taktiken" über das venezolanische Volk geherrscht.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff würdigte Chávez als einen "großen Lateinamerikaner". Für den kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro sei Chávez wie ein "echter Sohn" gewesen und für Staatschef Raúl Castro ein "herzlicher Freund". "Chávez ist auch Kubaner", hieß es einer Mitteilung der Regierung. Mehrere Länder Lateinamerikas, darunter Argentinien, Bolivien und Kuba verhängten eine mehrtägige offizielle Staatstrauer. Am Freitag wollen zahlreiche Staats- und Regierungschefs zur offiziellen Trauerfeier in die venezolanische Hauptstadt Caracas kommen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon würdigte den Einsatz Chávez' für die Armen. "Präsident Chávez hat die Herausforderungen und Sehnsüchte derjenigen Venezolaner angesprochen, die am verwundbarsten sind", erklärte Ban in New York. Der Staatschef habe sich außerdem um die regionale Integration in Lateinamerika bemüht und Solidarität mit den Nachbarländern gezeigt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach Chávez' Angehörigen und dem venezolanischen Volk sein Beileid aus. Er "setze darauf, dass Venezuela nach Tagen der Trauer den Aufbruch in eine neue Zeit schafft", sagte der FDP-Politiker am Mittwoch. Das Land habe "ein großes Potenzial, und Demokratie und Freiheit sind der richtige Weg, um dieses Potenzial zu verwirklichen".

Wladimir Putin bezeichnete Chávez in einem Kondolenzschreiben als "herausragenden Anführer". Der russische Staatschef schrieb nach Kremlangaben an Vizepräsident Nicolás Maduro: "Er war ein außerordentlicher und starker Mensch, der in die Zukunft blickte und sich selbst stets die höchsten Maßstäbe auferlegte."

Putin lobte zudem Chávez' persönlichen Einsatz für die bilateralen Beziehungen. Moskau und Caracas sind enge Partner. Venezuela ist einer der wichtigsten Käufer russischer Waffen. Der russische UN-Botschafter Witali Schurkin sagte zum Tod von Chávez: "Es ist eine Tragödie. Er war ein großartiger Politiker."

Schwedens Außenminister Carl Bildt würdigte Chávez als "charismatischen und starken Führer". In einer Twitter-Mitteilung schrieb Bildt am Mittwoch weiter: "Aber seine Politik hat sein Land mit ernsten wirtschaftlichen Konsequenzen ins Abseits geführt."

Bestürzung auch in Hollywood: Regisseur Oliver Stone sprach von dem sozialistischen Staatschef als "großem Helden", berichtete das US-Branchenblatt Hollywood Reporter. "Ich habe einen Freund verloren", sagte Oscar-Preisträger Sean Penn in einer Mitteilung. Arme Menschen in der ganzen Welt hätten einen Verfechter verloren, fügte der 52-jährige Schauspieler hinzu.

Penn und Stone waren seit Jahren Sympathisanten des umstrittenen Staatschefs. Der 66-jährige Stone hatte Chávez für seine Dokumentation "South of the Border" (2009) besucht und interviewt. Penn war im vergangenen August zu einer Wahlkampfveranstaltung für Chávez nach Venezuela gereist.