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Reaktionen auf Anschläge in Kopenhagen:"Es ist wichtig, dass wir zusammenstehen"

Königin Margrethe II. von Dänemark

Appell an das Volk: Königin Margrethe II. von Dänemark ruft nach den Anschlägen in Kopenhagen zu Zusammenhalt auf.

(Foto: dpa)
  • Königin Margrethe von Dänemark appelliert nach den Attentaten in Kopenhagen an die Dänen zusammenzustehen.
  • Kanzlerin Merkel spricht von "menschenverachtenden Anschlägen", Deutschland stehe "fest an der Seite Dänemarks".
  • Der französische Innenminister Cazeneuve reist in die dänische Hauptstadt und legt am ersten Anschlagsort, einem Kulturzentrum, Blumen nieder. Man werde den Kampf gegen den Terror gemeinsam fortführen müssen.
  • Der dänische Mohammed-Karikaturist Westergaard sagt: "Ich wurde ganz wütend."

Königin Margrethe ruft zum Zusammenhalt auf

Vor etwas mehr als einem Monat reisten die Staats- und Regierungschefs Europas nach Paris - zur Gedenkfeier für die Anschläge auf die Redaktion von Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt. Nun müssen sie erneut kondolieren. Diesmal gehen die Beileidsbekundungen nach Kopenhagen. Zwei Menschen starben dort am Wochenende bei Attentaten auf ein Kulturzentrum und eine Synagoge, weitere wurden verletzt; der Täter wurde in den frühen Stunden des Sonntags von der dänischen Polizei gestellt und getötet.

Dänemarks Königin Margrethe appellierte an die Dänen, nach den Terroranschlägen von Kopenhagen zusammenzuhalten. "Es ist wichtig, dass wir in so einer schwierigen Situation zusammenstehen und die Werte schützen, auf die Dänemark gebaut ist", sagte die Königin der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau zufolge.

Merkel spricht von "menschenverachtenden Anschlägen" in Kopenhagen

Die Reaktion der Bundesregierung auf den Terror in der dänischen Hauptstadt fällt deutlich aus: Es seien "menschenverachtende Anschläge", ließ Kanzlerin Angela Merkel ihren Vizeregierungssprecher Georg Streiter in Berlin erklären. Die Bundeskanzlerin habe der dänischen Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt in einem Telefonat ihr tief empfundenes Beileid und Mitgefühl übermittelt.

Merkel habe außerdem betont, dass Deutschland "fest an der Seite Dänemarks" stehe, teilte Streiter mit. Sie habe ihrer Kollegin "einen engen Kontakt bei Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus" versprochen.

Steinmeier: "Dieser Art von Terrorismus nicht beugen"

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte sich bereits nach dem ersten Anschlag am Samstagnachmittag geäußert und von einem terroristischen Akt gesprochen. "Die internationale Gemeinschaft wie die Staaten für sich werden sich dieser Art von Terrorismus nicht beugen", sagte Steinmeier bei einem Besuch in Peru. "Wir stehen ein für die Freiheit und wir wollen sie für die Menschen in unseren Staaten erhalten."

Europa will sich nicht einschüchtern lassen

Auch die EU-Kommission verurteilte den Terroranschlag scharf. "Europa steht geschlossen mit Dänemark für Redefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung ein. Europa wird sich nicht einschüchtern lassen", hieß es am Samstagabend in einer in Brüssel veröffentlichten Stellungnahme zu dem Attentat. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien."

Frankreich zeigt sich solidarisch

Auch Frankreichs Präsident François Hollande tauschte sich telefonisch mit Dänemarks Ministerpräsidentin aus und sicherte ihr Solidarität zu. Noch am Sonntag reiste der französische Innenminister Bernard Cazeneuve nach Kopenhagen. Am Kulturzentrum "Krudttønden", dem ersten Anschlagsort, legte er Blumen nieder. Begleitet wurde er vom französischen Botschafter in Dänemark, François Zimeray. Er war unter den Gästen der attackierten Kulturveranstaltung zum Thema Meinungsfreiheit, blieb aber unverletzt.

Cazeneuve leitet nach den Terroranschlägen das verstärkte Vorgehen der französischen Regierung gegen die islamistische Szene. Die beiden Franzosen betonten, dass Frankreich und Dänemark den Kampf gemeinsam fortführen müssten.

Zeichner Westergaard: "Das ist ja ganz furchtbar"

Kurt Westergaard

Betroffen und wütend: Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard

(Foto: AFP)

Der dänische Zeichner Kurt Westergaard (79) zeigte sich auf eine Konferenz für Meinungsfreiheit in Kopenhagen schockiert über die Anschläge. "Das ist ganz furchtbar", sagte er. "Vielleicht konnte man es erwarten nach dem, was in Paris geschah, aber es ist doch ganz nah. Mein erstes Gefühl war: Ich wurde ganz wütend."

Die Mohammed-Karikaturen, die Westergaard für die Zeitung Jyllands-Posten zeichnete, lösten 2005 gewaltsame Proteste in der islamischen Welt aus. Mehrfach waren Westergaard und die Zeitung in den Jahren darauf Ziel von Anschlägen.

Er fühle sich seit dem Anschlag auf das Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo stärker bedroht, sagte der 79-Jährige. "Und so ist es auch, glaube ich, mit all meinen Kollegen." Bedroht zu werden, sei ein absurder Gedanke. "Journalisten, Zeichner und Karikaturisten arbeiten natürlich weiter", sagte Westergaard. "Man kann sie nicht hindern, aber man kann ihnen natürlich drohen, und das macht auch einen sehr tiefen Eindruck."

Den schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks, dem die Schüsse in Kopenhagen offensichtlich galten, habe er mehrmals getroffen. "Er ist ein sehr scharfer Karikaturist, und man kann ihn auch nicht stoppen", sagte Westergaard.

© SZ.de/dpa/Reuters/segi/jobr

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