Reaktion auf Video Zuhören statt zerstören

Der Youtuber Rezo rechnet mit der CDU ab, Millionen sehen das Video. Aber wie darauf reagieren? Der Abgeordnete Philipp Amthor sollte für die Partei antworten - nun wird die Aufnahme aber doch nicht veröffentlicht.

Von Robert Roßmann, Berlin

Die CDU verzichtet nun doch darauf, mit einem eigenen Video auf die Vorwürfe des Youtubers Rezo zu reagieren. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sagte am Donnerstag, das Gespräch miteinander sei besser "als eine Videoschlacht". Rezo hatte die Union in einem Video mit dem Titel "Die Zerstörung der CDU" scharf kritisiert und dazu aufgerufen, die Partei nicht zu wählen. Das am Samstag veröffentlichte Werk wurde bereits mehr als fünf Millionen Mal aufgerufen. Das hatte in der CDU wegen der bevorstehenden Europawahl für erhebliche Unruhe gesorgt. Die Partei wollte deshalb zunächst ein eigenes Video mit Philipp Amthor produzieren und am Mittwoch veröffentlichen.

Amthor ist der jüngste CDU-Bundestagsabgeordnete - er ist mit 26 Jahren genau so alt wie der Youtuber. In den sozialen Netzwerken gab es in Erwartung des Videos jedoch sofort Tausende hämische Kommentare. Das für Mittwochnachmittag avisierte CDU-Video war auch am Donnerstag noch nicht veröffentlicht. Am Donnerstagvormittag wurde dann bekannt, dass die CDU es auch nicht mehr veröffentlichen wird. Die Verantwortlichen in der Partei waren angesichts der Kommentare in den Netzwerken zu der Einsicht gelangt, dass man mit einem solchen Werk die eigene Lage eher verschlimmern als verbessern würde. Mit einem CDU-Video hätten sie weitere Videos von Rezo oder anderen Youtubern provoziert. Die Parteispitze verzichtete nicht nur auf das Video, sie veränderte auch ihren Ton gegenüber Rezo. Am Mittwoch hatte sie ihn noch teils scharf angegriffen. Am Donnerstag versuchte sie eher, um ihn zu werben.

Paul Ziemiak gesteht ein, dass die CDU "nicht alles richtig" mache

Ziemiak bot Rezo via Twitter an, miteinander zu reden. "Wir machen das in der CDU seit 70 Jahren: Wir zerstören einander nicht, sondern wir hören einander zu, wir reden miteinander, wir finden gemeinsame Lösungen", schrieb Ziemiak. Er gestand ein, dass die CDU "nicht alles richtig" mache. Rezo habe "Kritikpunkte benannt, die berechtigt sind". Die Union könne beim "Klimaschutz noch mehr tun, mit besseren Technologien und guten Ideen". Die Lösungen müssten jedoch derart sein, "dass die Menschen in Deutschland unseren Weg akzeptieren und nicht aus Wut über Preise und Vorschriften zu 'Gelbwesten' werden".

Ziemiak gestand auch ein, dass die CDU in der Diskussion um Uploadfilter "nicht den richtigen Ton angeschlagen" habe, das könne die Partei besser. Er bat Rezo aber auch darum, der CDU zuzuhören, "wie wir die Dinge sehen". Ziemiak lud den Youtuber deshalb ein, miteinander über seine Kritik zu sprechen. Zu einem solchen Treffen würde auch Amthor kommen. Außerdem veröffentlichte die CDU am Donnerstag auf ihrer Webseite eine "Offene Antwort an Rezo" sowie ausführliche Entgegnungen zu den Behauptungen des Youtubers in seinem Video.

Gegenschlag oder Aussprache? Die CDU hat sich entschieden, dem Youtuber Rezo das Gespräch anzubieten, nachdem dieser die Partei in einem seiner Videos scharf kritisiert hatte.

(Foto: Jens Kalaene/picture alliance/dpa)

Am Mittwoch hatte Ziemiak den Youtuber noch heftig kritisiert. Der CDU-Generalsekretär hatte Rezo vorgeworfen, auch "Falschbehauptungen" und "Pseudofakten" zu verbreiten und gesagt, der Youtuber habe "keine Hemmungen, Dinge im Internet einfacher darzustellen, als sie tatsächlich sind". Einfache Lösungen würden oft "lauten Applaus" bekommen, am Ende aber nicht weiterhelfen. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte sogar geätzt: "Ich habe mich gefragt, warum wir nicht eigentlich auch noch verantwortlich sind für die sieben Plagen, die es damals in Ägypten gab." Für diese Äußerung erntete die CDU-Chefin viel Häme, weil im Alten Testament von zehn und nicht von sieben biblischen Plagen in Ägypten die Rede ist.

Kramp-Karrenbauer hatte sich ursprünglich für ein Video mit Amthor ausgesprochen. Die CDU-Chefin war am Mittwoch im Wahlkampf in Bremen und Kiel unterwegs - es hatte am Mittwochnachmittag deshalb zunächst geheißen, die Veröffentlichung des Videos verzögere sich nur deshalb, weil Kramp-Karrenbauer es aus der Ferne und wegen der vielen Termine noch nicht habe abnehmen können. Am späten Abend fiel nach Angaben aus CDU-Kreisen dann aber die Entscheidung, das Projekt zu stoppen. Die Schuld an dem kommunikativen Fiasko, das die Partei im Umgang mit Rezo jetzt erlitt, muss sich wegen dieses Verlaufs auch Kramp-Karrenbauer zuschreiben lassen.

Die CDU hatte bereits im Umgang mit der "Fridays for Future"-Bewegung am Anfang mit der falschen Tonlage reagiert. Ziemiak hatte zunächst getwittert: "Greta Thunberg findet deutschen Kohlekompromiss 'absurd' - Oh, man ... kein Wort von Arbeitsplätzen, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit. Nur pure Ideologie. Arme Greta!" Dafür erntete Ziemiak einen Shitstorm. Erst Wochen später kündigte er an, Jugendliche, die sich für den Klimaschutz einsetzen, in die CDU-Zentrale einladen zu wollen. Dieses Treffen hat allerdings immer noch nicht stattgefunden.