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Reaktion auf Truppenmanöver:Nordkorea verkündet Kriegszustand mit Südkorea

Die Zeit zwischen Krieg und Frieden sei vorüber: Nordkorea ruft den "Kriegszustand" aus. "Keine wirklich neue Drohung", heißt es aus Südkorea - die beiden Länder befinden sich formal betrachtet ohnehin noch immer im Krieg. Die USA nehmen die Ankündigung dennoch ernst.

Nordkorea hat am Samstag seine Drohungen abermals verschärft und ist nach eigenen Angaben mit Südkorea in den "Kriegszustand" getreten. "Ab sofort befinden sich die interkoreanischen Beziehungen im Kriegszustand und alle Angelegenheiten zwischen beiden Ländern werden nach dem Kriegsprotokoll behandelt", hieß es am Samstag in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten öffentlichen Erklärung.

Die südkoreanische Regierung entgegnete, die Drohungen seien nicht neu. Im Verteidigungsministerium in Seoul hieß es, es gebe keine Hinweise auf ungewöhnliche Aktivitäten des nordkoreanischen Militärs. Die USA erklärten, die Drohung dennoch ernst zu nehmen.

Die jahrelange Situation auf der koreanischen Halbinsel, die sich "weder im Frieden, noch im Krieg" befunden habe, sei nun vorüber, hieß es in der von KCNA verbreiteten gemeinsamen Erklärung sämtlicher Regierungsinstitutionen des Landes. Jede militärische Provokation nahe der Land- oder Seegrenze zwischen Nordkorea und Südkorea werde einen "umfassenden Konflikt und einen Atomkrieg" nach sich ziehen, hieß es in der Erklärung weiter.

N. Korean army conducts drill

Säbelrasseln, oder Probe für den Ernstfall? Nordkoreanische Soldaten bei einer Truppenübung.

(Foto: dpa)

"Lange Geschichte der Kriegsrhetorik"

Am Freitag hatte die kommunistische Führung in Pjöngjang Raketeneinheiten für einen Angriff auf US-Stützpunkte in Bereitschaft versetzt, nachdem die USA am Donnerstag zwei Tarnkappenbomber nach Südkorea entsandt hatten. Bereits am Dienstag hatte Pjöngjang mit Angriffen auf Ziele in den USA und Südkorea gedroht und angeblich die Sondereinheiten seiner gesamten Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt. Nordkorea droht Südkorea und dessen Verbündeten USA seit Anfang März fast täglich mit Angriffen.

Die USA erklärten, die Berichte über eine "neue und unkonstruktive Erklärung aus Nordkorea" zur Kenntnis genommen zu haben. "Wir nehmen diese Drohungen ernst und bleiben in engem Kontakt mit unseren südkoreanischen Verbündeten", sagte Caitlin Hayden, Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats. Sie verwies indes darauf, dass Nordkorea eine "lange Geschichte der Kriegsrhetorik und Drohungen" habe. "Die heutige Ankündigung folgt diesem bekannten Muster."

Nordkorea lässt weiterhin südkoreanische Pendler einreisen

Das südkoreanische Vereinigungsministerium, dem die Beziehungen zum Norden obliegen, erklärte, die neuen Äußerungen aus Pjöngjang seien nur eine weitere provozierende Drohung. Nord- und Südkorea befinden sich seit dem Ende des von 1950 bis 1953 dauernden Korea-Krieges formal im Kriegszustand, da sie keinen Friedensvertrag sondern lediglich einen Waffenstillstand geschlossen haben. Nach der Verhängung neuer UN-Sanktionen gegen Pjöngjang als Reaktion auf einen neuerlichen Atomtest hatte das Land jüngst aber bereits den Nichtangriffspakt mit Südkorea aufgekündigt.

Trotz der jüngsten Drohung ließ Nordkorea nach Angaben des Ministeriums auch am Samstag wieder südkoreanische Pendler einreisen. Tag für Tag, außer sonntags, kommen Hunderte Südkoreaner in den gemeinsame Industriepark in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong. Der Industriekomplex ist eine wichtige Deviseneinnahmequelle für das verarmte, aber hochgerüstete Nordkorea.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnte Nordkorea vor einer Eskalation der Sicherheitslage. Das Verhalten des Landes sei eine ernste Gefahr für den Frieden in der gesamten Region, schrieb der FDP-Politiker in einem Gastkommentar für die Bild-Zeitung. Was auf der koreanischen Halbinsel geschehe, betreffe die Sicherheitsarchitektur der ganzen Welt. "Das unverantwortliche Spiel Nordkoreas mit dem Feuer muss aufhören", mahnte Westerwelle.

© Süddeutsche.de/afp/dpa/reuters/mahu

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