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Reaktion auf Terror in Paris:Nicht mal Moscheen sind tabu

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Trump über Flüchtlinge

"Ist das ein trojanisches Pferd?"

Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Ted Cruz machen Stimmung gegen muslimische Flüchtlinge.

Viele US-Republikaner wollen keine Flüchtlinge aufnehmen oder sogar Moscheen schließen. Ihre Wortwahl und Nazi-Vergleiche verdecken eine bittere Realität: Viele Amerikaner sehen es genauso.

Besonnenheit und Gelassenheit sind Eigenschaften, die unter republikanischen Politikern und konservativen Kommentatoren äußerst selten sind. Hier setzt sich durch, wer sich am schnellsten ein Urteil bildet und in möglichst drastischen Worten Forderungen aufstellt. Noch während die Polizisten in Paris versuchten, die Geiseln im "Bataclan" zu befreien, äußerten sich konservative Politiker und Medien-Persönlichkeiten via Twitter, um sich zu profilieren.

Donald Trump und Newt Gingrich machten die strengen Waffengesetze in Frankreich für die vielen Toten verantwortlich. Am Tag nach der Anschlagserie missbrauchte Ann Coulter, konservative Aktivistin und Dauergast bei Fox News, die Anschläge von Paris, um vehement für die Abschiebung von Millionen illegalen Einwanderern und Muslimen zu werben.

Auch ein paar Tage später ist bei Republikanern von Besonnenheit wenig zu spüren und die meisten Statements kommen ohne Differenzierung aus. Weiterhin ist das konservative Amerika außer Rand und Band - und es scheint mit Ausnahme von Jeb Bush allen Beteiligten darum zu gehen, keine Schwäche zu zeigen.

Die Aussagen der Präsidentschaftskandidaten

Einige der krassesten Aussagen kommen - wenig verwunderlich - von Donald Trump: Er verbreitete bei einem Auftritt in Texas die Lüge, dass Barack Obama 250 000 muslimische Flüchtlinge ins Land holen wolle (in Wahrheit sind es 10 000). Es wäre ein "Sicherheitsrisiko", Syrer oder Iraker ins Land zu lassen, so Trump. Er werde sich als Präsident auch "ernsthaft überlegen", einige Moscheen in US-Städten zu schließen. Die Kritik würde er in Kauf nehmen: "Der Hass auf uns ist doch schon da - und er ist unglaublich."

US-Republikaner

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Andere Kandidaten wie der Ex-Gehirnchirurg Ben Carson lehnen es strikt ab, muslimische Flüchtlinge aufzunehmen; Ted Cruz will dies gar per Gesetz festschreiben lassen. Der in den Umfragen abgeschlagene Mike Huckabee, ein ehemaliger Baptistenprediger, formulierte es auf recht absurde Weise: "Wir müssen aufwachen und an der Falafel riechen. Wir importieren Terrorismus."

Seltsamer Nazi-Vergleich von Marco Rubio

Dass US-Präsident Obama im Kampf gegen den IS versagt habe, sagen die Kandidaten in jedes Mikrofon. Marco Rubio aus Florida, der in vielen Umfragen auf dem dritten Platz liegt, kritisiert noch andere Demokraten: Es sei beschämend, dass Hillary Clinton den Begriff "radikaler Islam" nicht verwenden wolle und nicht erkenne, dass sich der Westen in einem "Krieg" befinde. Rubio zieht einen Vergleich mit der Hitler-Zeit: "Das ist genauso, als würden wir sagen, wir sind nicht mit den Nazis im Krieg gewesen, weil wir Angst haben, einige Deutsche zu verärgern, die vielleicht Mitglieder der NSDAP, aber nicht selbst gewalttätig waren."

Jeb Bush spricht sich dafür aus, nur syrische Christen aufzunehmen. Er wirbt weiterhin dafür, das US-Einwanderungssystem zu reformieren - dies sei auch nützlich im Kampf gegen den Terror. Abgesehen von John Kasich und ihm, so Bush, würden alle anderen Republikaner-Kandidaten der öffentlichen Wut nicht entgegentreten, sondern diese nutzen: "Ich werde das nicht tun." Es komme vielmehr darauf an, dass Amerika Führungsstärke zeige und die Krise im Nahen Osten löse, sagte Bush im Interview mit Bloomberg Politics. Damit distanziert sich der im Wahlkampf bisher enttäuschende Bush klar vom Rest seiner Partei.

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