Reaktion auf Propaganda-Vorwürfe Snowden verteidigt seinen Auftritt in Putin-Show

Alles Propaganda? Edward Snowden in der Putin-Show am Donnerstag.

(Foto: dpa)

Edward Snowden lässt sich per Video in Wladimir Putins TV-Fragestunde schalten und erntet dafür jede Menge Kritik. Nun kontert der NSA-Whistleblower die Vorwürfe, er ließe sich für die russische Propaganda einspannen.

Edward Snowden war der Überraschungsgast der vierstündigen Putin-Sendung, die am Donnerstag im russischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Der berühmteste Whistleblower der Welt taucht in der Show des Präsidenten auf, neben lächelnden Krim-Bewohnern, Diplomaten und Europa-Kritikern. Nun stellen sich nicht nur die Beobachter aus dem Westen die Frage: Lässt sich Snowden von Putin für dessen Zwecke instrumentalisieren, wie Welt-Reporter Jörg Eigendorf am Donnerstag twitterte?

Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der Zeit, nannte den Auftritt auf Twitter "traurig".

CNN-Korrespondent Jim Sciutto bezeichnete Snowden gar als "Propaganda-Instrument" für Putin.

Und Snowden selbst? Der Whistleblower reagiert auf die Vorwürfe mit einem Gastbeitrag für den britischen Guardian und kritisiert wiederum seine Kritiker.

Snowden hatte sich via Videoübertragung in die Live-Sendung zuschalten lassen und zunächst ein Plädoyer gegen die massenhafte Überwachung gehalten. Dann fragte er Putin, ob auch in Russland die Kommunikation millionenfach überwacht wird. Der russische Präsident wirkte überrumpelt und flüchtete sich in eine wenig konkrete Aussage: "Laut unserem Gesetz ist Massenüberwachung verboten. Außerdem haben wir nicht das Geld dafür - anders als in Amerika." Die Geheimdienste würden zudem streng reguliert.

Hier der Ausschnitt im Video, mit englischer Übersetzung des Staatssenders Russia Today.

Es gebe "ernsthafte Unstimmigkeiten" in Putins Antwort, schreibt Snowden nun im Guardian. Doch darauf würden seine Kritiker gar nicht eingehen. Stattdessen konzentrierten sie sich auf Snowden selbst und die Tatsache, dass er es gewagt habe, in einer TV-Show mit dem russischen Präsidenten aufzutreten.

Die Vorwürfe, er ließe sich für Putins Zwecke einspannen, kontert der NSA-Whistleblower. Er habe Russland "keine Treue geschworen", so Snowden. "Ich war überrascht, dass Menschen, die mir bestätigten, dass ich mein Leben riskiert habe, als ich die Überwachungspraktiken meines Landes aufdeckte, nicht glauben konnten, dass ich auch die Abhörpolitik Russlands kritisieren könnte."

Die Antwort Putins sei auffallend ähnlich wie die Aussagen von US-Präsident Barack Obama zu der Überwachungspolitik des amerikanischen Geheimdienstes NSA - bevor mit Hilfe von Snowdens Enthüllungen das wahre Ausmaß der NSA-Überwachung publik wurde.

Zum Schluss erklärt Snowden das Motiv für seine Frage an Putin: "Wenn wir die Aussagen öffentlicher Amtsträger hinterfragen wollen, müssen wir ihnen zunächst die Möglichkeit geben, sich zu äußern."

Edward Snowden hat im August 2013 Asyl in Russland bekommen. Der Aufenthalt ist aber befristet auf ein Jahr. Was im Sommer 2014 mit dem NSA-Whistleblower passiert, ist noch völlig unklar. Sollte er an die USA ausgeliefert werden, drohen ihm wegen seiner Enthüllungen eine Anklage und eine lange Haftstrafe.

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