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Raumfahrt:Da kann Europa lernen

Der Flug ins Weltall wird kommerzieller - und schneller.

Von Dieter Sürig

Für fast 8,4 Milliarden Dollar haben sich die Amerikaner ihre neue Unabhängigkeit erkauft: Erstmals seit 2011 ist die Weltraumbehörde Nasa nicht mehr auf die russische Sojus angewiesen. Das hat der Testflug der Kapsel Crew Dragon von Space-X bewiesen, die Ende Mai zwei Astronauten zur Raumstation ISS und nun wieder zurück gebracht hat. Nach dem Ende des teuren Space Shuttle musste eine ganze Astronautengeneration vom kasachischen Startplatz Baikonur zur ISS reisen - zuletzt für 80 Millionen Dollar pro Sitzplatz. Langfristig sind die Milliarden für das Commercial-Crew-Programm der Nasa, bei dem auch Boeing eine Kapsel entwickelte, gut investiert.

Die Mitflüge haben am Nationalstolz der Amerikaner gekratzt, aber die Mission symbolisiert einen ganz anderen Wandel in der Raumfahrt: Die Nasa will Raketen und Kapseln nicht mehr kaufen, sondern bei privaten Anbietern buchen. Firmen wie Space-X haben so Interesse daran, Starts billiger zu machen, Triebwerke und Kapseln wiederzuverwenden. Raumfahrt wird kommerzieller und schneller.

Europa sollte daraus lernen: Die Rakete Ariane 6, die 2021 erstmals starten soll, ist eigentlich schon veraltet. Die Agentur Esa hat gerade Mittel für die Entwicklung eines wiederverwendbaren Ariane-Triebwerks bereitgestellt. Zum Einsatz wird es wohl erst 2030 kommen.

© SZ vom 04.08.2020

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