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Rassismus:In der Defensive

Warum das Football-Team Redskins nach jahrzehntelanger Diskussion nun über die Änderung seines Namens nachdenkt.

Von Christian Zaschke

Noch 2013 hatte Dan Snyder, der Besitzer des American-Football-Teams Washington Redskins, gesagt, dass alles ganz einfach sei. Er werde den Namen der Mannschaft niemals ändern. "Das können Sie in Großbuchstaben schreiben", fügte er an. Seit Jahrzehnten war der Name Redskins, Rothäute, umstritten, weil er als rassistische Beleidigung von amerikanischen Ureinwohnern galt. Doch Snyder hatte kein Interesse an der Diskussion. Bis ihn nun seine Sponsoren so unter Druck gesetzt haben, dass er, wie er mitteilt, darüber nachdenke, den Namen zu ändern. In Anbetracht der Macht der Geldgeber dürfte ihm kaum etwas anderes übrig bleiben.

Snyder selbst hat mit der Namensgebung nichts zu tun. Er kaufte das Team im Jahr 1999. Da war die Diskussion allerdings schon in vollem Gang. Seit den Siebzigerjahren hatte es immer wieder Versuche gegeben, das Team zu einer Änderung des Namens zu bewegen. Bis 1933 war die Mannschaft als Boston Braves bekannt. George Preston Marshall, Gründer und damaliger Besitzer des Teams, änderte den Namen zu Redskins. Er wies die Spieler an, Kriegsbemalung im Gesicht zu tragen. In den Halbzeitpausen trat eine Band auf, deren Mitglieder sich als Indianer verkleidet hatten.

Bereits 1972 waren Vertreter der amerikanischen Ureinwohner mit dem damaligen Klubboss zusammengekommen, um den Text der Teamhymne zu ändern. Darin wurde unter anderem dazu aufgerufen, die Gegner zu skalpieren. Dieses Unterfangen war ein Erfolg, der Text wurde geändert. Der Name des Teams blieb jedoch. Im Jahr 1988 forderte der Nationalkongress der amerikanischen Indianer ausdrücklich, dass der Name geändert werde. Er sei "herabwürdigend und beleidigend". Nichts geschah. Im Jahr 1990 fragte eine Interessenvertretung der Ureinwohner bei der Dachorganisation National Football League (NFL) an, wie es mit deren ethischen Maßstäben zu vereinbaren sei, ein Teams namens "Rothäute" in der Liga zu haben. Die NFL beeindruckte das nicht.

Die Sponsoren setzen den Klub unter Druck

Jack Kent Cooke, vormaliger Besitzer des Teams, sagte im Jahr 1992, als der öffentliche Druck mal wieder stieg, dass der Name nicht geändert werde. "Für mich bedeutet er Stolz, Mut, Abenteuer, Wagemut und Tapferkeit." Damit war die Diskussion erneut beendet. Aber sie verschwand nie völlig aus dem öffentlichen Raum. Im Jahr 2013 schaltete sich sogar der damalige US-Präsident Barack Obama in die Debatte ein, wenige Monate nachdem Teambesitzer Snyder gesagt hatte, er werde den Namen NIEMALS ändern. Angenommen er besäße ein NFL-Team, sagte Obama, dessen Name von einer großen Gruppe als Beleidigung wahrgenommen werde - er würde darüber nachdenken, diesen Namen zu ändern. Dass selbst der Präsident eine Meinung zu dem Thema hatte, sorgte bei den Redskins insofern für Bewegung, als sie eine PR-Firma anheuerten, die eine Website gestaltete, welche der Verteidigung des Namens gewidmet war. "Der Name Redskins verdient es zu bleiben", hieß es dort. Und weiter: "Wir glauben, er steht für all die noblen Eigenschaften, die wir an den amerikanischen Ureinwohnern bewundern."

Nun hat sich das gesellschaftliche Klima in den USA in den vergangenen Monaten entscheidend geändert. Seitdem Ende Mai der Schwarze George Floyd von einem weißen Polizisten getötet wurde, gab und gibt es in weiten Teilen des Landes Proteste gegen den systemischen Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft. Dabei geht es im Wesentlichen um die Benachteiligung von Afro-Amerikanern. Aber auch der Umgang mit anderen Minderheiten ist verstärkt ins Blickfeld geraten. Zum Beispiel eben der mit den Ureinwohnern.

Noch Anfang der vergangenen Woche sagte Ron Rivera, der Trainer des Teams, in einem Radio-Interview, die Debatte über eine Namensänderung sei "eine Diskussion für eine andere Zeit". Er sei jemand aus einer Zeit, in der American Football nicht so politisch gewesen sei. Ende der Woche zitierte ihn der Verein dann ganz anders. Das Thema Namensänderung sei auch für ihn persönlich wichtig.

Der plötzliche Sinneswandel dürfte viel damit zu tun haben, dass sich am Donnerstag das Logistik-Unternehmen FedEx zu Wort gemeldet hat. Der Konzern hat für die Namensrechte am Stadion des Teams, dem FedEx Field, 205 Millionen Dollar bezahlt. Der Vertrag läuft noch bis 2027. In einem Statement teilte die Firma mit: "Wir haben dem Team in Washington unsere Forderung mitgeteilt, den Namen zu ändern." Das Wort Redskins kam in dem Statement nicht vor.

Ebenfalls am Donnerstag waren die Merchandise-Artikel des Teams nicht mehr auf der Website des Sportartikelherstellers Nike zu finden. Ohne Angabe von Gründen. Die Bank of America teilte mit, man habe das Team ermutigt, den Namen zu ändern. Die Brausefirma Pepsi verkündete, man stehe in Gesprächen mit dem Team. Ohne Sponsoren können die Washington Redskins nicht überleben. Man darf daher davon ausgehen, dass Besitzer Dan Snyder es wirklich ernst meint, wenn er sagt, er denke nun endlich über eine Änderung des Namens nach.

© SZ vom 06.07.2020

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