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Rassismus in den USA:Erst Amerikaner, dann Schwarzer

Bis heute hat Obama nur eine große Rede zum Verhältnis von Schwarzen und Weißen gehalten. Das war im März 2008, mitten im Wahlkampf, als er seine Beziehung zu dem radikalen schwarzen Pastor Jeremiah Wright rechtfertigen musste, der selbst durch zornige rassistische Bemerkungen über Weiße aufgefallen war. Es war eine gute Rede, voller kluger Erklärungen, warum viele Schwarze in den USA sich eben doch immer noch unterdrückt fühlen, während viele Weiße glauben, die bösen Zeiten der Rechtlosigkeit, der Rassentrennung und des Ku-Klux- Klan seien doch längst ferne Geschichte.

Aber es war auch die Rede eines Mannes, der sich zuerst als Amerikaner, erst dann als Schwarzer sieht. Schwarzer zu sein, so Obama damals, sei nur ein Teil seiner Identität; genauso gehöre aber auch seine Oma dazu, die weiße Gelegenheitsrassistin. Und er erinnerte an seine Lebensgeschichte, die eben nicht die eines ausgebeuteten Schwarzen in einer feindlichen weißen Gesellschaft ist, sondern das Gegenteil - die eines jungen Mannes mit dunkler Hautfarbe, der trotzdem Jura in Harvard studierte, Senator in Washington wurde und nun kurz davor stand, zum Präsidenten gewählt zu werden. Das, so Obama, sei nur in Amerika möglich.

Obamas Aufstieg ändert am Rassismus nichts

Finden sich andere Schwarze in dieser phantastischen Lebensgeschichte wieder? Die meisten sicher nicht. Aus jeder Sozialstatistik kann man herauslesen, dass es Schwarze in Amerika immer noch viel schwerer haben als Weiße, eine gute Ausbildung zu bekommen und einen gut bezahlten Job, dass sie stattdessen aber sehr viel schneller im Gefängnis landen oder im Leichenschauhaus. Diese Tatsache ist in Tausenden Studien erforscht und erklärt worden, nicht immer, aber oft spielt Rassismus eine wichtige Rolle. Daran ändert auch Obamas Aufstieg nichts.

Dass Obama zwei Präsidentenwahlen gewonnen hat, belegt immerhin, dass es genügend Amerikaner gibt, die keine Rassisten sind. Es belegt nicht, dass das alte Übel Rassismus besiegt wäre. Aber das ist ohnehin nicht die Aufgabe der Schwarzen, sondern die der Weißen.