Rassismus in den USA:Gouverneurin von South Carolina will Südstaaten-Flagge abhängen

Nikki Haley And Lindsey Graham Hold Press Conf. On Confederate Flag At SC State Capital

Vor dem Kapitol in Columbia weht noch immer eine Südstaatenflagge.

(Foto: AFP)
  • Die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, spricht sich dafür aus, die Konföderierten-Flagge vor dem Kapitol des US-Bundestaats in der Hauptstadt Columbia zu entfernen.
  • Die Flagge gilt vielen Menschen im Süden der USA als Teil ihres Kulturguts. Kritiker betrachten die Fahne dagegen als Symbol für die Unterdrückung der versklavten schwarzen Bevölkerung.
  • Um die Flagge zu entfernen, bedarf es einer Entscheidung des Parlaments. Haley will dafür notfalls eine Sondersitzung einberufen.

Entscheidung liegt beim Parlament von South Carolina

Nach der offenkundig rassistischen Attacke mit neun Toten auf eine von Afroamerikanern besuchte Kirche steht der US-Bundesstaat South Carolina vor einem historischen Kurswechsel im Umgang mit der umstrittenen Südstaaten-Flagge.

Die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, startete eine Initiative, das vor dem Parlaments- und Regierungssitz des Bundesstaates wehende Banner abzuhängen. Die Entscheidung darüber liegt aber bei den Abgeordneten. 150 Jahre nach Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges sei es an der Zeit, die Flagge der Konföderierten vom Gelände des Kapitols in South Carolinas Hauptstadt Columbia zu entfernen, sagte Haley in einer vom Fernsehen übertragenen Ansprache.

"Symbol für brutale Unterdrückung"

Die Republikanerin trat mit einer Reihe von Politikern beider Parteien vor die Kameras, darunter der republikanische Senator und Präsidentschaftsbewerber Lindsey Graham. Graham erklärte, die Verbannung der Flagge sei "nur angemessen" nach dem "tragischen, hasserfüllten" Angriff auf die Emanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston.

Haley war allerdings bemüht, den unterschiedlichen Einstellungen zu der Flagge Rechnung zu tragen. "Für viele Leute in unserem Bundesstaat steht die Flagge für ehrenvolle Traditionen", sagte sie. Das Banner sei ein "Andenken" an Vorfahren, die ihrem Staat in Kriegszeiten gedient hätten. "Zugleich ist die Flagge für viele andere ein beleidigendes Symbol für brutale Unterdrückung in der Vergangenheit", fügte die Gouverneurin hinzu. Auf ihrem Privatgrundstück dürften Bürger das Banner weiter "stolz" hissen, vor dem Kapitol habe es aber keinen Platz.

Der 21-jährige Weiße Dylann Roof soll am vergangenen Mittwoch in Charleston aus rassistischen Motiven neun Schwarze während einer Bibelstunde erschossen haben. Medienberichten zufolge gestand er nach seiner Festnahme die Tat, bei einer ersten Anhörung am Freitag wurde ihm neunfacher Mord vorgeworfen. Roof hatte auf Fotos mit der Südstaaten-Flagge posiert. Die Fahne diente ursprünglich als Kriegsflagge der Armee des nördlichen Virginia und wurde später zum Erkennungszeichen der Konföderierten, im vom 1861 bis 1865 dauernden Bürgerkrieg für den Erhalt der Sklaverei kämpften.

Gouverneurin will Sondersitzung einberufen

Bis zum Jahr 2000 wehte die Flagge - ein mit weißen Sternen besetztes blaues Kreuz auf rotem Grund - auf dem Dach des Kapitols in Columbia. Dann entschied das Parlament von South Carolina, sie auf einem Kriegerdenkmal vor dem Gebäude zu hissen. Das Parlament geht diese Woche in die Sommerpause. Haley kündigte an, eine Sondersitzung zu der Südstaaten-Flagge einzuberufen, sollten die Abgeordneten nicht rechtzeitig handeln.

Das Weiße Haus teilte unterdessen mit, dass Präsident Barack Obama, seine Frau Michelle und Vizepräsident Joe Biden am Freitag an der Beerdigung des erschossenen Pastors der Emanuel African Methodist Episcopal Church teilnehmen würden. Obama werde die Trauerrede für Clementa Pinckney halten, hieß es.

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© SZ.de/AFP/cmy/gal
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