Rashida Tlaib Die erste muslimische Abgeordnete im US-Kongress

Rashida Tlaib hat einen neuen Arbeitsplatz: Den US-Kongress in Washington.

(Foto: Instagram)
  • Rashida Tlaib wird als erste muslimische Frau als Abgeordnete ins US-Repräsentantenhaus einziehen.
  • Da die Republikaner in ihrem Bezirk keinen Kandidaten stellen, hat sie ihren Platz bereits sicher.
  • Mit ihr werden mindestens drei Menschen mit muslimischem Glauben im US-Kongress vertreten sein.
Von Christian Zaschke, New York

Wann immer Rashida Tlaib in den vergangenen Wochen durch die Straßen ihrer Heimatstadt Detroit fuhr, um Wahlkampf zu machen, erinnerte sie sich daran, wie sie auf diesen Straßen unterwegs war, um ihre Geschwister zur Schule zu bringen, in einem Lieferwagen, in dem hinten alle Sitze ausgebaut waren, um mehr Platz zu schaffen. Platz nämlich brauchte die Familie, Tlaib ist das älteste von 14 Kindern einer aus Palästina stammenden Einwandererfamilie. Sie fuhr so vorsichtig wie möglich, aber natürlich flogen ihre Geschwister hinten im Wagen trotzdem durcheinander. Für diese und weitere Geschichten aus dem Leben der 42 Jahre alten Tlaib interessiert sich derzeit eine breitere Öffentlichkeit, weil sie als erste Frau muslimischen Glaubens in den amerikanischen Kongress einziehen wird.

Tlaib hat sich bei den Vorwahlen der Demokraten im 13. Wahlbezirk in Michigan durchgesetzt. Da die Republikaner in diesem Bezirk bei den Kongresswahlen im November keinen Gegenkandidaten aufstellen, ist ihr der Sitz im Repräsentantenhaus in Washington nicht mehr zu nehmen. Nach der Wahl wartete sie, bis auch die letzte Stimme ausgezählt war, obwohl die Nachrichtenagenturen ihren Sieg längst verkündet hatten. Als dann um drei Uhr morgens auch offiziell feststand, dass sie gewonnen hatte, sagte sie feierlich: "Ich will, dass die Leute in diesem Land wissen, dass man sich nicht ändern muss, wenn man sich für ein politisches Amt bewirbt. Das ist es, was dieses Land ausmacht." Während sie sprach, legte ihr ihre Mutter eine palästinensische Fahne um die Schultern.

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Wiewohl ihre Religion in ihrem Wahlkampf keine Rolle spielte, macht Tlaib kein Geheimnis daraus, dass sie Muslimin ist. "Viel meiner Kraft kommt von meinen palästinensischen Wurzeln", sagte sie einmal. In ihrer neuen Rolle wolle sie vor allen Dingen gegen rassistische und unterdrückende Strukturen vorgehen. Denn, sagte sie an ihre Unterstützer gewandt: "Ihr verdient etwas Besseres als das, was wir unter diesem Präsidenten haben." Mit diesem Präsidenten, Donald Trump, ist sie bereits 2016 aneinandergeraten, als dieser sich um das Amt bewarb und eine Rede in Detroit hielt. Er solle erst mal die amerikanische Verfassung lesen, blaffte sie.

"Der 13. Bezirk wollte eine Kämpferin. Und er bekommt eine."

Tlaib ist bekannt dafür, dass sie mit hoher Energie arbeitet. Auf Twitter schrieb sie nach ihrem Sieg: "Der 13. Bezirk wollte eine Kämpferin. Und er bekommt eine." Auf ihrer Website verkündet sie, dass sie niemals aufgebe und sich unermüdlich für die Belange ihrer Mitbürger einsetze. Bewiesen hat sie das in ihrer Zeit im Landesparlament von Michigan, in das sie 2008 als erste Muslimin gewählt wurde. Dort saß sie während dreier je zwei Jahre dauernder Legislaturperioden, was die erlaubte Höchstzahl ist. Nun macht sie den nächsten Schritt auf die nationale Bühne.

Als vorbildlich gilt, wie geduldig sie diesen Schritt vorbereitet hat. Zaki Barzinji, ehemals Islam-Beauftragter des vormaligen Präsidenten Barack Obama, sagte: "Sie ist das perfekte Beispiel dafür, wie man systematisch politische Macht aufbaut." Er hoffe, dass die muslimische Gemeinde von dem Beispiel lerne. Muslime sind im politischen Leben der USA kaum präsent. Der erste Muslim im amerikanischen Kongress war der Demokrat Keith Ellison, der 2006 gewählt wurde. Mit Tlaib werden nun mindestens drei Menschen muslimischen Glaubens im Kongress vertreten sein. Möglicherweise kommt noch eine weitere Abgeordnete dazu: Die Demokratin Ilhan Omar hat sich bei den Vorwahlen ihrer Partei in Minneapolis durchgesetzt. Sie bekommt es bei den Wahlen im November allerdings mit republikanischer Konkurrenz zu tun.

Das Lager der Demokraten in Washington wird von November an um eine streitbare Stimme reicher sein. Die derzeit wichtigste Qualifikation, um in Washington zu bestehen, hat Rashida Tlaib bereits nachgewiesen: Sie hat keine Angst vor Donald Trump.

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