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Raqqa:Der IS verliert seine Hochburg

Kämpfer der SDF feiern im Oktober 2017 den Sieg über den IS in Raqqa.

Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) jubeln über ihren Sieg in Raqqa.

(Foto: REUTERS)
  • Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben das einstige Nationale Krankenhaus in Raqqa vom sogenannten Islamischen Staat zurückerobert.
  • Damit ist die einstige Hochburg der Terrormiliz nach einer fast viermonatigen Schlacht offenbar gefallen.
  • SDF-Kräfte durchkämmen die Stadt nach Sprengfallen und versteckten IS-Mitgliedern, erst dann soll der Sieg offiziell erklärt werden.

Die radikalsten der Radikalen hatten sich im einstigen Nationalen Krankenhaus der Stadt Raqqa verschanzt, doch bis zur letzten Patrone und zum sicheren Tod sollten dann selbst sie nicht kämpfen: Als am Dienstagvormittag Mitglieder der kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) auf das Gelände vordrangen, ergaben sich die letzten Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates, die sich dort noch verschanzt hatten.

Als ihre kurdischen Gegner es bis auf das Dach des Krankenhauskomplexes schafften, rissen sie dort die schwarze IS-Fahne von einer Funkantenne herunter - es war die letzte, die noch in der einstigen Hauptstadt des selbsternannten Kalifats wehte. Zuvor hatten die kurdischen Kämpfer das benachbarte Stadion erobert, das der IS als sein Hauptgefängnis nutzte.

Am Nachmittag bestätigte dann Talo Silo, der Sprecher der SDF, das Ende der Kämpfe nach einer fast vier Monate andauernden Schlacht: Nun seien seine Kräfte dabei, die Stadt nach Sprengfallen und nach versprengten IS-Mitgliedern zu durchkämmen. Erst wenn diese Durchsuchung der in weiten Teilen in Trümmern liegenden Straßen Raqqas abgeschlossen seien, werde man den Sieg offiziell erklären.

Führende IS-Köpfe residierten in Raqqa

Der IS hatte die Herrschaft über Raqqa im Januar 2014 übernommen, als er die andere Rebellengruppen vertrieb. Fortan inszenierte er hier seine Pseudostaatlichkeit, in dem er die Stadt am Euphrat zu seiner Hauptstadt ausrief. Führende Köpfe des IS residierten in Raqqa, unter anderem die Abteilung für Medien und Auslandsoperationen unter Leitung des Syrers Abu Mohammad al-Adnani.

Sie produzierte die Propagandavideos, die Menschen ins Kalifat locken sollten, sie plante aber auch komplexe Anschläge wie die von Paris und Brüssel und leitete später sogenannte "einsame Wölfe" an, die in ihren Heimatländern mit Messern oder Lkw töten sollten.

Während die internationale Anti-IS-Koalition, welche die Offensive der SDF vor allem aus der Luft unterstützte, von einer sehr niedrigen Zahl an Opfern ausgeht, schätzen Menschenrechtler, dass bis zu 3250 Menschen beim Kampf um Raqqa ums Leben kamen. Während das Zentrum der Stadt weitgehend zerstört wurde, flohen viele Bewohner ins Umland. Nach Angaben der Hilfsorganisation "Save the Children" sollen hier 270 000 Menschen in völlig überfüllten Lagern hausen.

© SZ vom 18.10.2017/spes
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