Randale in Schweden:Kein Ausdruck von Meinungsfreiheit, sondern "Rowdytum"

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Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt hatte am Mittwoch zur Ruhe aufgerufen. Den Wagen eines Nachbarn anzuzünden sei kein Ausdruck von Meinungsfreiheit, sondern "Rowdytum". Schweden sei ein Land, das große Gruppen von Menschen aus anderen Staaten aufnehme. "Und ich bin stolz darauf." Er appellierte an alle Bürger, sich einzumischen und Verantwortung zu übernehmen.

Randale in Schweden

Erhellte Nacht: Ein Feuerwehrmann vor einem brennenden Auto

(Foto: AFP)

Tatsächlich hat sich die Lage zumindest in Husby leicht beruhigt, wo Elterngruppen und andere Organisationen den Konflikt auf der Straße zu entschärfen versuchen. Der Einsatz der Erwachsenen wirke "dämpfend", sagte ein Polizeisprecher dem Svenska Dagbladet. Die Polizei hat auch ihre Taktik geändert, sie setzt nun auf Deeskalation. Mehrere Dutzend Krawallmacher wurden festgenommen, im Durchschnitt sind sie 20 Jahre alt, einige Randalierer sind sogar erst zwölf.

Schweden nimmt noch Flüchtlinge auf

Die Wohnblöcke in Husby und anderen Problemvierteln entstanden meist im Zuge des "Millionenprogramms", mit dem die Regierung von 1965 an bezahlbare Wohnungen für alle schaffen wollte. Die Schweden zogen bald aus, zwei Drittel der Bewohner sind inzwischen ausländischen Ursprungs. Im Gegensatz zu Dänemark, das die Grenzen für Armutseinwanderer in den vergangenen Jahren dichter gemacht hat, nimmt Schweden immer noch in großem Ausmaß Flüchtlinge aus Bürgerkriegsländern wie Syrien und dem Irak auf.

Das Land tut sich aber schwer mit der Eingliederung von Menschen, die mit den egalitären Werten und den komplizierten Normen der skandinavischen Gesellschaft oft nichts anfangen können, und dies umso weniger, wenn sie keinen Job haben. 2011 waren laut dem Statistikamt 16,5 Prozent der Immigranten arbeitslos gemeldet, im Vergleich zu 5,7 Prozent der in Schweden Geborenen.

Wut und Hoffnungslosigkeit entladen sich immer wieder in Krawallen: Schon 2008 hatte es im Rosengård-Viertel in Malmö gebrannt, zwei Jahre später in Rinkeby, nur ein paar Busstationen von Husby entfernt.

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