Ramelow erster linker Ministerpräsident:Ramelows erste Rede im neuen Amt

Ramelow tritt an das Rednerpult. Seine ersten Worte im neuen Amt. Für Fairness wirbt er. Für einen guten Umgang miteinander. Auch, um die Menschen im Land wieder für Politik zu interessieren. Und nicht dafür zu sorgen, dass sich immer mehr abwenden.

Er bedankt sich bei Christine Lieberknecht, seiner Amtsvorgängerin, deren Büro er jetzt beziehen wird. Ramelow zitiert das Lebensmotto des verstorbenen früheren Bundespräsidenten Johannes Rau: "Versöhnen statt spalten". Daran wolle er sich messen lassen.

Ramelow entschuldigt sich bei Stasi-Opfern

Dann wird er persönlich. Auf der Tribüne, sagt er, habe ein Freund Platz genommen. Andreas Möller, einst von der Stasi in den Knast gesperrt. Es sei ein langer Weg gewesen, bis sie Freunde wurden. Möller habe ihm immer wieder vorgeworfen, in der falschen Partei sein. Oft hätten sie darüber diskutiert. Wer weiß, wie oft sich Ramelow bei Möller für das Unrecht entschuldigt hat, das ihm widerfahren ist.

Jetzt aber steht nicht nur ein alter Freund am Rednerpult. Jetzt steht der gerade gewählte Ministerpräsident des Landes Thüringen da vorne. Und sagt: "Dir und allen Deinen Kameraden kann ich nur die Bitte um Entschuldigung entgegenbringen." Es ist die große und wichtige Geste eines Mannes, der vielen mehr ist, als nur ein politischer Gegner. Eher ein Hassobjekt.

Mit oder ohne Anstand

Mike Mohring, Chef der CDU-Fraktion, wird Ramelows ärgster Gegner sein in den kommenden Jahren. Ramelow spricht ihn direkt an. Er und Ramelow hätten sich "nichts geschenkt" in der Vergangenheit. Mohring bestätigt: "Das wird auch so bleiben", ruft er dazwischen. Gelächter im Raum. Ramelow legt Wert darauf, dass es immer fair zugegangen ist. Er bittet auch weiterhin um diese Fairness. Von Mohring wird er sie bekommen.

Von der AfD, der anderen Oppositionspartei, eher nicht. Deren Fraktionschef Björn Höcke hat als einziger der Fraktionschefs im Landtag Ramelow nicht zur Wahl gratuliert. Er blieb einfach sitzen. Die Sache mit dem Anstand müssen einige dort wohl noch lernen.

Auch das dürfte ein Grund sein, weshalb auch Mohring über die schnelle Entscheidung schon im zweiten Wahlgang froh gewesen sein müsste. Im dritten Wahlgang hätte er auf die Stimmen der Rechtsaußen vertrauen müssen, um Ramelow noch zu verhindern.

Wer es aber nicht mal aus Respekt vor dem Amt schafft, dem Ministerpräsidenten die Hand zu reichen, mit so einem sollte auch Mohring nichts zu tun haben wollen.

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