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RAF-Prozess in Stammheim:"Gelogen, was das Zeug hielt"

Auftritt von Peter-Jürgen Boock, dem Karl May der RAF, im Prozess gegen Verena Becker in Stammheim. Was weiß er - und was sagt er davon?

Auch am Tag zwei der Aussage von Peter-Jürgen Boock plagte den Senat des Oberlandesgerichts Stuttgarts immer noch die eine große Frage: Was weiß Boock - und was davon sagt er? Nicht, weil das Gericht ihn grundsätzlich zum Lügner stempeln wollte. Sondern weil er keine definitive Aussage zu den Tätern machen wollte, die am 7. April 1977 in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine beiden Begleiter erschossen haben.

RAF-Prozess gegen Verena Becker

Prozess gegen Verena Becker: Ex-RAF-Terrorist Peter-Juergen Boock im Oberlandesgericht Stuttgart - Stammheim

(Foto: dapd)

"Für mich war klar, dass Stefan Wisniewski zu dem Kommando gehört hat": Über mehr als dieses längst verbreitete Wissen will Boock, seinerzeit zum Kern der "Roten Armee Fraktion" gehörend, nicht verfügen. Er selbst sei am Tag des Verbrechens im Amsterdam gewesen und habe mitbekommen, dass ein Anrufer mit einer verschlüsselten Nachricht den Anschlag bestätigt habe. Ein Anruf, über den sich Sieglinde Hofmann besonders erleichtert gezeigt habe, die eine "intensive Beziehung" zu Wisniewski gehabt habe. "Daher glaube ich, dass der Anruf von Wisniewski kam".

Immerhin bekräftigt Boocks Aussage den Verdacht, für den Mord an Buback seien wenigstens teilweise die falschen oder jedenfalls nicht alle Täter bestraft worden. Verurteilt wurden damals Knut Folkerts und Christian Klar. Auch Günter Sonnenberg, wenngleich wegen seiner schweren Verletzung nicht verurteilt, wird sicher zum Tätertrio gerechnet. Auch Boock zählt Sonnenberg dazu, weil der Motorrad fahren konnte und sich in Karlsruhe auskannte. Besser gesagt: Boock geht "sicher davon aus". Genaueres wisse er nicht, weil er nicht dabei gewesen sei.

Kann das stimmen? Boock hatte an allen Vorbereitungstreffen teilgenommen, zudem hatte er eine Beziehung mit der 1977 entlassenen Brigitte Mohnhaupt. Und diese war Rädelsführerin des Mordes an Buback. Sie muss die Namen der Beteiligten gekannt haben. Und Boock nicht? "Das ist schlecht vorstellbar", bekannte Richter Hermann Wieland.

Zur Anklage gegen Verena Becker trägt das wenig bei. Zumal Boock sie weiter eher entlastet. Becker als fanatische Antreiberin? Eine "gewisse Vehemenz" habe sie gehabt, aber über den Mordplan seien sich alle einig gewesen. Und die Tatwaffe in ihrem Gepäck, einen Monat nach der Tat? Könnte auch ein Transport für eine andere Aktion gewesen sein.

Seit seinem Geständnis im Jahr 1992 habe er stets die Wahrheit gesagt, beteuert Boock. Und davor: "Ich hab' gelogen, was das Zeug hielt." Also doch der Karl May der RAF, witzelt Wieland. Dazu Boock: "Ich wollte es wäre so, dann hätte ich viel Geld."