RAF: Mordfall Buback Die zierliche Person auf der Suzuki

Neue Erkenntnisse nach DNS-Analyse: Die frühere RAF-Terroristin Verena Becker könnte doch an der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback im Jahr 1977 beteiligt gewesen sein - dessen Sohn verdächtigt sie schon lange.

Von Hans Leyendecker

Der Anschlag auf den Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine beiden Begleiter Wolfgang Göbel und Georg Wurster im April 1977 gehört zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Nachkriegsgeschichte. 32 Jahre nach dem Mord ist der Fall noch immer nicht gelöst und bekommt jetzt womöglich eine überraschende Wende. Die entscheidende Frage lautet: Hatte die spätere RAF-Aussteigerin Verena Becker mit dem Attentat zu tun?

Attentat am 7. April 1977 in Karlsruhe: Die zugedeckten Leichen von Generalbundesanwalt Siegfried Buback (li.) und Fahrer Wolfgang Goebel liegen noch am Tatort. Ein weiterer Begleiter erliegt später seinen schwersten Verletzungen.

(Foto: Foto: AP)

In mehreren Beiträgen für die Süddeutsche Zeitung hatte Bubacks Sohn, der Göttinger Chemieprofessor Michael Buback, im Jahr 2007 massive Zweifel an der amtlichen Version geäußert. Buback hatte den Verdacht, dass Verena Becker an der Tat beteiligt gewesen sein könnte. In seinem Ende 2008 erschienenen Buch "Der zweite Tod meines Vaters" warf er der Bundesanwaltschaft sogar "haarsträubende Fehler und Mängel" bei den Nachforschungen zum Mord an seinem Vater und dessen beiden Begleitern vor.

Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt hatten früh die ehemaligen RAF-Mitglieder Knut Folkerts, Christian Klar und Günter Sonnenberg als Mordkommando ermittelt. Vieles aber spricht dafür, dass sich Folkerts am Tattag in Amsterdam aufhielt.

Eine Frau?

Auch ist nicht sicher, ob wirklich Klar und Sonnenberg zu dem Kommando gehörten. Als mögliche Todesschützin nannte Michael Buback die frühere RAF-Terroristin Becker. Die Tatwaffe war Tage später nach einem Schusswechsel mit der Polizei in Singen bei ihr gefunden worden. Zudem wollen einige Zeugen auf dem Sozius des Suzuki-Motorrads, mit dem die Mörder geflüchtet waren, eine zierliche Person gesehen haben. Eine Frau?

Ausgelöst von den Nachforschungen Michael Bubacks wurde erstmals publik, dass Verena Becker Anfang der achtziger Jahre heimlich mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz zusammengearbeitet hatte. Sie hatte 1971 die "Schwarze Hilfe" mitgegründet, die inhaftierte Anarchisten unterstützte. Später gehörte sie der "Bewegung 2. Juni" an, wurde verhaftet, im Herbst 1977 wegen sechsfachen Mordversuchs und räuberischer Erpressung zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Gefängnis hatte sie sich dann auf eine Zusammenarbeit mit dem Inlandsgeheimdienst eingelassen.

Die Quelle sprudelte kräftig. Zu ihren Schilderungen gehörte auch der angebliche Ablauf des Buback-Attentats. Danach soll Sonnenberg die Suzuki, auf dem die Mörder kamen, gefahren haben; es sei der RAF-Mann Stefan Wisniewski gewesen, der vom Soziussitz die tödlichen Schüsse abgegeben habe. Klar habe in einem Fluchtwagen auf seine Komplizen gewartet.

"Neue Verdachtsmomente"

Die geheimen Aussagen flossen in kein Strafverfahren ein. Nachdem vor gut zwei Jahren auch der frühere RAF-Mann Peter-Jürgen Boock den ehemaligen Komplizen Wisniewski belastet hatte, leitete die Bundesanwaltschaft ein Verfahren gegen diesen ein.

Sie verglich DNS-Proben Wisniewskis mit Spuren, die an einem von den mutmaßlichen Attentätern zurückgelassenen Helm, an Handschuhen und einer Jacke gefunden wurden, fand aber keine Hinweise, dass Wisniewski an dem Anschlag beteiligt oder gar der Todesschütze war. Zwei Spuren stammten definitiv nicht von ihm, eine dritte war nicht aussagekräftig.

Im Juni 2008 leitete die Behörde dann Ermittlungen gegen Verena Becker ein. Auch in ihrem Fall gab es keine Übereinstimmung mit den sogenannten Mischspuren. Allerdings wurden bei Untersuchungen im Februar und Mai dieses Jahres auf Briefumschlägen alter Bekennerschreiben sogenannte serologische Anhaftungen entdeckt, die von ihr stammen sollen.

Die Karlsruher Behörde spricht von "neuen Verdachtsmomenten". Zugespitzt lautet die Frage: Hatte Verena Becker gegenüber dem Verfassungsschutz Wisniewski belastet, um von ihrer eigenen Tatbeteiligung abzulenken?

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