Süddeutsche Zeitung

Rätsel der Woche:Was macht einen Generalsekretär aus?

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In einer Regierungspartei ist der Generalsekretär zugleich Machtfaktor und Prügelknabe, er dient seiner Partei und dem jeweiligen Vorsitzenden. Doch manchmal dient er hauptsächlich seinen eigenen Interessen.

Von Nico Fried

Niemand weiß besser als Angela Merkel, was man aus dem Amt eines Generalsekretärs machen kann. Sie war es in der CDU ja selbst schon mal, auch wenn sie sich daran am vergangenen Montag in einer Pressekonferenz kurzzeitig nicht mehr erinnerte und Annegret Kramp-Karrenbauer zur ersten Frau in diesem Amt erklärte. Merkel stieg seinerzeit auf in den CDU-Vorsitz, nicht zuletzt, weil sie als Generalsekretärin die Prozedur steuern konnte, nach der die Partei 2000 einen Nachfolger für den zurückgetretenen Wolfgang Schäuble aussuchte. Allerdings ist Merkel ein untypischer Fall, denn der klassische Generalsekretär ist weniger ein Diener seiner eigenen Ambitionen als vielmehr der Interessen der Partei und des jeweiligen Vorsitzenden.

In einer Regierungspartei wie der CDU ist der Generalsekretär oder die Generalsekretärin Machtfaktor und Prügelknabe, respektive Prügelmädchen. Der Parteichef regiert das Land, der GS - so der Jargon - die Partei, vor allem ihren Apparat. Ein guter GS hilft dem Chef mit Rat, ein sehr guter auch mit Widerspruch. Nach außen aber muss ein GS stets die Unfehlbarkeit des Chefs vermitteln, auch wenn er sie selbst bezweifelt. Hubertus Heil hat das in der SPD unter den Parteichefs Kurt Beck und Martin Schulz gleich zweimal schmerzhaft durchlebt.

Als Prototyp des GS gilt bis heute Heiner Geißler, weil er Helmut Kohl diente, die CDU aber auch modernisierte und dazu noch drei Bundestagswahlkämpfe führte. Erst nach zwölf Jahren kam es zum Zerwürfnis, Geißler schloss sich 1989 den Putschisten des Bremer Parteitags gegen Kohl an, die aber scheiterten. Kramp-Karrenbauer, die zu Geißlers Zeiten in die CDU eintrat, will nach seinem Vorbild ein neues Grundsatzprogramm erarbeiten lassen. Und wenn sie in etwa drei Jahren ein bisschen gegen Merkel putscht, würde das wohl niemand mehr begrüßen als Merkel selbst.

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Quelle:
SZ vom 24.02.2018
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