Rätsel der Woche:Warum verlaufen US-Stromleitungen über der Erde?

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Schon nach Sandy kam die Frage auf, Harvey spült sie wieder ins Bewusstsein. Die Antwort: Es geht um viel Geld.

Von Reymer Klüver

Es sind immer die gleichen Bilder: Umstürzte Strommasten, abgerissene, im Wind hin und her baumelnde Leitungen, spektakulär explodierende Trafohäuschen. Nach jeder Unwetterkatastrophe kommt es in den USA zu flächendecken Stromausfällen, weil viele oberirdische Stromleitungen gekappt werden. Der Hurrikan Harvey macht da keine Ausnahme. Wohl mehr als eine Million Haushalte in Texas waren zeitweise ohne Strom, Tausende, wahrscheinlich Zehntausende werden es für Wochen sein.

Nach jeder Unwetterkatastrophe kommt deshalb zuverlässig auch dieselbe Diskussion auf: Warum werden die Leitungen nicht endlich unter die Erde verlegt, um die Schäden klein zu halten und Stromausfälle gering? Und wie schon nach den Hurrikanen Katrina oder Sandy wird auch nach Harvey die Antwort dieselbe sein: Es wird schlicht zu teuer.

Nach Schätzung des US-Energieministeriums ist das sogenannte undergrounding fünf bis zehn Mal teurer als die oberirdische Verlegung der Leitungen. In der Hauptstadt Washington hatten die Behörden nach einem verheerenden Gewitter 2010 eine Studie in Auftrag gegeben: Danach würde eine unterirdische Verlegung der Stromleitungen allein im Stadtgebiet 5,8 Milliarden Dollar kosten. Würden die Kosten auf Verbraucher umgelegt, müsste jeder 30 Jahre lang 100 Dollar mehr als bisher für Strom zahlen.

Zwar werden nun auch in Amerika in Neubausiedlungen die Stromleitungen zumeist verbuddelt. Doch noch immer befindet sich nicht einmal ein Fünftel des Versorgungsnetzes unter der Erde. Und das wird sich so schnell nichts ändern. Beispiel Anaheim in Kalifornien. In der (wohlhabenden) Stadt fanden sie schon in den Neunzigerjahren, dass die Strommasten verschwinden müssten. Doch das Projekt zieht sich: Noch immer sind nicht alle Leitungen unter der Erde. Neues Ziel: das Jahr 2040.

© SZ vom 02.09.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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