Rätsel der Woche:Insel-Lösung

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Die Republik Nauru ist die kleinste der Erde, sie gehört zur Inselwelt Mikronesiens. Die Vertreter Naurus und anderer Inselstaaten lehnten jetzt die Jerusalem-Resolution in der UN-Vollversammlung ab. Warum nur?

Von Stefan Kornelius

In der Vollversammlung der Vereinten Nationen zählt jede Stimme, auch wenn sie von einer Republik im Namen ihrer lediglich 10 000 Einwohner abgegeben wird. Die Republik Nauru ist die kleinste der Erde, sie liegt im Pazifik und gehört zur Inselwelt Mikronesiens. Die Vertreter Naurus und anderer Inselstaaten schrieben nun eine Fußnote für die Geschichtsbücher, als sie die Jerusalem-Resolution in der Vollversammlung ablehnten.

Die Resolution verurteilte die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA. 128 Staaten schlossen sich ihr an, darunter alle Veto-Mächte außer den USA selbst, aber auch Deutschland und andere traditionelle Verbündete Washingtons im Nahen Osten wie Ägypten oder Jordanien. 35 Staaten enthielten sich, darunter Kanada. 21 Delegationen blieben der Abstimmung fern - wohl auch aus taktischen Überlegungen. Und sieben stellten sich an die Seite der USA: Guatemala, Honduras, Togo, die Marschallinseln, die Föderierten Staaten von Mikronesien, Palau und eben Nauru.

Gerade pazifische Inselstaaten haben eine lange Tradition der bedingungslosen Nähe zu den USA. Dafür gibt es einen simplen Grund: Einige von ihnen sind assoziiert, sie können gar nicht anders. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die USA die Verwaltung im Auftrag der UN wahr, seitdem gilt für die Marschallinseln und Palau eine freie Assoziierung, in der Washington Verantwortung für alles übernimmt, was ein Staatswesen ausmacht: Währung, Sicherheit, Haushalt.

Nauru, ebenfalls finanziell abhängig, scherte 2008 aus, als es die abtrünnige georgische Provinz Abchasien als Staat anerkannte. Der Preis: zehn Millionen Dollar von Russland für den Bau eines Flughafens. Ägypten oder Jordanien erhalten von den USA jährlich mehr als eine Milliarde Dollar. Trumps Regierung hat nun damit gedroht, diese Zuwendungen zu reduzieren.

© SZ vom 23.12.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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