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Radverkehrsplan:Scheuer will Deutschland zum "Fahrradland" machen

Fahrradweg

40 Prozent der Deutschen nehmen sich laut Bundesregierung vor, künftig mehr Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Fast 1,5 Milliarden Euro will der Bund in den kommenden Jahren in Radwege, Parkhäuser oder auch Studiengänge stecken. "Der Druck ist ja da", sagt der Verkehrsminister - die Deutschen fahren immer mehr Rad.

Von Markus Balser und Kassian Stroh

Deutschland soll in den kommenden Jahren zum "Fahrradland" werden. Dieses Ziel hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) beim Nationalen Radverkehrskongress in Hamburg ausgegeben. Zum Auftakt des zweitägigen Treffens stellte Scheuer die Details des Nationalen Radverkehrsplans vor, den die Bundesregierung vergangene Woche verabschiedet hat. Er liefert Empfehlungen und Strategien, wie der Radverkehr bis zum Jahr 2030 auf dem Land und in der Stadt gefördert werden soll.

Schon jetzt gibt es in Deutschland fast 80 Millionen Fahrräder. Laut Verkehrsministerium planen 40 Prozent der Deutschen, künftig mehr mit dem Rad zu fahren. "Der Druck ist ja da", sagte Scheuer vor 2700 Teilnehmern bei dem digitalen Kongress. Seinen Plan nannte er "eine kleine Revolution".

Schon vergangene Woche hatte Scheuer angekündigt, dass der Bund bis zum Jahr 2023 etwa 1,46 Milliarden Euro in den Radverkehr investieren werde. Die finanzielle Förderung des Radverkehrs durch Bund, Länder und Kommunen solle sich bis Ende des Jahrzehnts an etwa 30 Euro je Person und Jahr orientieren, das wäre doppelt so viel wie 2020. Allerdings gibt es dafür bislang keine festen Zusagen.

Dennoch ist laut Scheuer ein "lückenloses Radnetz" bis Ende des Jahrzehnts geplant. So ist im Radverkehrsplan vorgesehen, dass deutlich mehr Fahrradschnellwege entstehen sollen - genauso wie Radwege entlang von Straßen. Bei Fernstraßen müsse es künftig einen guten Grund geben, wenn kein Schnellweg für Fahrräder gebaut werde, sagte Scheuer. Zugleich will der Bund zum Beispiel Fahrradparkhäuser fördern oder die Mitnahme in Zügen vereinfachen. An den Hochschulen müssten mehr Stadtplaner für die Belange des Radverkehrs ausgebildet werden, sagte Scheuer. "Da müssen wir nacharbeiten."

Die Bundesregierung hat untersuchen lassen, wie sich der Radverkehr in Deutschland in den kommenden Jahren entwickeln wird. Die Deutschen werden demnach 50 Prozent häufiger auf das Rad steigen als heute und pro Person 180 statt 120 Wege im Jahr mit dem Rad zurücklegen. Die durchschnittliche Strecke soll sich dabei von 3,7 auf sechs Kilometer fast verdoppeln, und das bei größerer Verkehrssicherheit. Ziel der Regierung ist, die Zahl der jährlich im Verkehr getöteten Radfahrer bis 2030 um 40 Prozent zu senken. Im Jahr 2019 starben noch 445 Menschen.

Auch die Kommunen fordern mehr Entschlossenheit. "Radverkehrsförderung ist aktive Klimaschutzpolitik und bedeutet keinen Verzicht, sondern ein Mehr an Lebensqualität für uns alle", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg. Nun bestehe die Möglichkeit, eine "Trendwende" zu schaffen. Ludger Koopmann vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club sagte, nur wenn Radwegenetze sicher, komfortabel und lückenlos seien, würden viel mehr Menschen als bisher das Fahrrad für ihre alltäglichen Wege benutzen.

© SZ/saul
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