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Russland:Böse Überraschungen im Kreml

Vladimir Putin

Kein Sommermärchen: Das Jahr 2018 für den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

(Foto: AP)
  • Trotz der gelungenen Fußball-Weltmeisterschaft und der triumphalen Wiederwahl von Präsident Putin war 2018 ein schwieriges Jahr für die russische Staatsführung.
  • Bei etlichen seiner Einschätzungen lag der Kreml daneben - am weitesten im Fall Skripal.
  • Es gibt Anzeichen dafür, dass dies einen Lernprozess bei Russlands Machtelite in Gang gesetzt hat.

Das Jahr 2018 bot Wladimir Putin reichlich Gelegenheit für emotionale Höhenflüge. Seine Wiederwahl als Präsident Russlands fiel mit 77 Prozent der Stimmen für ihn triumphal aus. Die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer brachte viel positive Publicity. Russland konnte sich mit brandneuen Stadien, guter Verkehrs-Infrastruktur und freundlicher Gastlichkeit als modern und weltoffen präsentieren.

Gemessen daran war die Jahrespressekonferenz des Präsidenten im Dezember jedoch eine recht nüchterne Veranstaltung. Denn das Jahr 2018 bot den fragenden Journalisten auch etliche unangenehme Themen. Sich am Ende des Jahres mit einem vergifteten Ex-Spion, einer Kirchenspaltung und renitenten Wählern in den Regionen herumschlagen zu müssen, hatte sich Putin sicher nicht gewünscht, als 2018 noch jung war.

Vor allem der Fall Skripal belastete die Regierungsgeschäfte schwer. Beim Finale der Fußball-WM im Juli stürmte der Pussy-Riot-Aktivist Pjotr Wersilow mit einigen jungen Frauen in Polizeiuniform auf das Spielfeld, um gegen die übermäßigen Befugnisse der russischen Polizei zu protestieren. Zwei Monate später wurde Wersilow nach einer Gerichtsanhörung mit einer schweren Vergiftung ins Moskauer Bachruschin-Krankenhaus eingeliefert und später nach Berlin ausgeflogen, wo er in der Charité erfolgreich behandelt wurde.

Wer den Anschlag auf ihn ausgeübt hatte, konnte nicht ermittelt werden, doch der Vorgang lenkte den Blick auf die augenscheinlich gängige Praxis in Putins Russland, toxische Substanzen gegen Leute einzusetzen, die der Kreml zu Staatsfeinden erklärt hat. Schon vor der Vergiftung des Aktivisten, hatte der Fall Skripal begonnen, sich für die russische Staatsführung zu einem Desaster auszuwachsen.

Rubel unter Druck

Nachdem der frühere Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia im März im britischen Salisbury mit dem Kampfstoff Nowitschok schwer vergiftet worden waren, verhängten die USA weitere Sanktionen gegen Russland mit der Begründung, die russische Regierung habe "chemische oder biologische Waffen" eingesetzt und damit gegen internationales Recht verstoßen.

Die Strafmaßnahmen treffen die schleppend wachsende russische Wirtschaft empfindlich - der Rubel, der seinen Außenwert gegenüber Dollar und Euro seit 2014 ohnehin halbiert hat, stürzte nach der Ankündigung weiterer US-Sanktionen innerhalb kürzester Zeit noch einmal um gut zehn Prozent ab.

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Ein britisches Paar kommt mit dem Kampfstoff Nowitschok in Kontakt, mit dem auch der Agent Skripal vergiftet wurde. Die britische Premierministerin kündigt eine umfassende Untersuchung an.   Von Björn Finke

Der Kreml bestreitet bis heute den Vorwurf, Skripal sei vom russischen Militär-Geheimdienst GRU vergiftet worden. Allerdings glauben selbst viele Russen ihrer Staatsführung in der Angelegenheit inzwischen kaum noch. Das liegt vor allem an dem peinlichen Fernsehauftritt Alexander Petrows und Ruslan Boschirows, denen von Großbritannien die Vergiftung Skripals angelastet wird.