bedeckt München 22°

Rap in Russland:"Mein bester Freund ist Putin"

Fans bei einem Konzert des russischen Rappers Oxxxymiron in Moskau, das dieser im November 2018 zur Unterstützung des Kollegen "Husky" gab.

(Foto: AP)
  • Nach willkürlichen Auftrittsverboten von Rappern in Russland haben sowohl Präsident Wladimir Putin als auch die Menschenrechtsbeauftragte des Landes Partei für die Musiker ergriffen.
  • Die Schikanen, denen sich die Hip-Hop-Szene Russlands ausgesetzt sah, wurde im November nach der kurzzeitigen Inhaftierung des Künstlers "Husky" zum nationalen Politikum.
  • Der Kreml weiß inzwischen, wie er Popkultur für sich instrumentalisieren kann.

Es war ein verhältnismäßig harmloser Vorgang, der zum Politikum in Russland wurde: Am 21. November kletterte der Hip Hopper "Husky" im südrussischen Krasnodar auf das Dach eines geparkten Autos und rappte eines seiner Lieder. Mit dem Spontan-Auftritt wollte er seine Fans für ihre wertlosen Tickets entschädigen. Denn zuvor war ihm in dem Klub, in dem er ein Konzert geben wollte, der Strom abgestellt worden.

Nach dem ersten Lied auf dem Autodach war Schluss: Die Polizei nahm den Musiker, der mit bürgerlichem Namen Dmitrij Kuznetsow heißt, in Gewahrsam - unter anderem wegen Rowdytums und Widerstands gegen die Staatsgewalt. Die zwölftägige Gefängnisstrafe, zu der er anschließend verurteilt wurde, löste öffentliche Proteste in einer Lautstärke aus, die schließlich sogar die Staatsführung alarmierte.

Wie der unabhängige Fernsehsender "Doschd" unter Berufung auf kremlnahe Quellen berichtete, setzte sich die Präsidialverwaltung beim Krasnodarer Bezirksgericht für die Freilassung Kuznetsows ein. Und so verließ der Rapper das Gefängnis bereits nach fünf Tagen.

MOSCOW RUSSIA DECEMBER 12 2018 Husky Dmitry Kuznetsov a hip hop artist released on Novermber

Rapper "Husky" kurz nach seiner viertägigen Haft auf einem Konzert in Moskau

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Dass sich die Staatsführung an höchster Stelle dazu veranlasst sah, die Behörden in der Provinz im Zaum zu halten, hat einen einfachen Grund: Im Kreml hat man gelernt, dass die Maßregelungen populärer Jugendidole mitunter sehr viel Widerstand provozieren, der über soziale Netzwerke sehr laut werden kann. Da ist es dann und wann klügere Staatskunst, die Popularität der Künstler für sich selbst zu nutzen.

Denn die Verhaftung "Huskys" hatte die mediale Aufmerksamkeit endgültig auf die Repressionen gelenkt, denen sich junge Rapper wie er, das Duo "IC3PEAK" oder die Teenagerband "Frendzona" zuletzt durch die Behörden bei Tour-Auftritten durch das ganze Land ausgesetzt sahen.

"Wenn Du es nicht verhindern kannst, dann lenke und steuere es"

So groß wurde die Empörung, dass sie gar zu einer Angelegenheit der Grundrechte wurde: Tatjana Moskalkowa, die Menschenrechtsbeauftragte der Russischen Föderation, gestand dem Kulturgut "Rap" Anfang der Woche ausdrücklich ein Existenzrecht zu: "Die ältere Generation hat schon immer mit Skepsis auf neue Kunstformen reagiert", betonte die Politikerin. "Wir müssen uns nur an Phänomene wie den Jazz oder den Rock sowie an Namen wie Chlebnikow, Kandinsky, Majakowski und Skrjabin erinnern, um zu wissen, dass es in der Kunst zu Neuerungen kommt - so, wie bei jedem anderen menschlichen Tun", dozierte die 63-Jährige unter Hinweis auf futuristische und expressionistische Neuerer Russlands in Literatur, Malerei und Musik.

Es war wohl kein Zufall, dass die Duma-Abgeordnete Moskalkowa ausgerechnet jetzt Partei für die jungen Musiker ergriff. Sie konnte sich der Rückendeckung von ganz oben sicher sein: Bei einer Sitzung des Präsidialrats für Kunst und Kultur am vergangenen Wochenende in St. Petersburg bezog Wladimir Putin erstmals direkt Stellung zu der Frage, wie Rap denn nun als Ausdruck künstlerischen Handelns zu bewerten sei.

Der Präsident bemühte sich dabei sichtlich um eine ausgleichende Haltung. Seine wichtigste Botschaft: Es sei nicht klug, Hip-Hop-Konzerte zu untersagen, denn das wirke nur kontraproduktiv. Vielmehr empfahl er, nach dem Prinzip zu verfahren: "Wenn Du es nicht verhindern kannst, dann lenke und steuere es."

"Betäubungsmittel sind die größte Gefahr für die Gesellschaft"

Putin räumte zwar ein, dass die Popularität des Rap auf Sex, Drogen und Protest basiere und "dass der Pfad zum Niedergang der Nation mit harten Beats und noch härteren Reimen gepflastert" sei. Unter den drei genannten Problemfeldern alarmierten ihn Suchtstoffe allerdings am meisten: "Betäubungsmittel sind bei all dem die größte Gefahr für die Gesellschaft", sagte der Kreml-Chef. Bei seiner Jahrespressekonferenz wenige Tage später wiederholte Putin seine Sicht der Dinge zum Rap.