Putin-Gegner verschleppt Entführung in Kiew

Der russische Geheimdienst soll den Oppositionellen Raswosschajew in der Ukraine entführt und nach Moskau verschleppt haben. Der Putin-Gegner wollte in Kiew politisches Asyl beantragen. Nun wird ihm vorgeworfen, Massenunruhen angezettelt zu haben.

Von Julian Hans

Die russischen Sicherheitsbehörden verfolgen Oppositionelle inzwischen offenbar auch im Ausland. Mehrere russische Medien berichteten am Montag übereinstimmend, der Putin-Gegner Leonid Raswosschajew sei am vergangenen Freitag in der Ukraine entführt und nach Moskau verschleppt worden. Sie beriefen sich dabei unter anderem auf den Abgeordneten Ilja Ponomarjow von der Partei Gerechtes Russland. Raswosschajew arbeitet als Mitarbeiter des Abgeordneten Ponomarjow in der russischen Staatsduma.

Eine Sprecherin des Flüchtlingshilfswerks UNHCR in der Ukraine sagte der Nachrichtenagentur Interfax, Raswosschajew habe die Vertretung der Organisation in Kiew aufgesucht und um Unterstützung gebeten, da er politisches Asyl beantragen wollte. In einer Pause während des Beratungsgesprächs sei er dann einfach verschwunden. "Seine Sachen hat er hier gelassen, einen Kontakt konnten wir nicht herstellen", sagte die Sprecherin. Aus Sorge hätten die Juristen den russischen Staatsbürger schließlich bei der Polizei als vermisst gemeldet.

Darüber, wer Raswosschajew entführt habe, gab es unterschiedliche Angaben. Das Innenministerium in Kiew dementierte laut dem Kommersant eine Beteiligung ukrainischer Behörden. Menschenrechtler vor Ort beschuldigten den ukrainischen Geheimdienst. Der Abgeordnete Ilja Ponomarjow seinerseits teilte mit, Beamte des russischen Geheimdienstes hätten seinen Mitarbeiter selbst entführt und in einem Privatflugzeug nach Moskau gebracht.

Dass ein Moskauer Gericht Raswosschajew sogleich für zwei Monate in Untersuchungshaft schickte, ist die einzige Tatsache, über die die beteiligten Seiten übereinstimmend berichten. Die Umstände der Festnahme dagegen stellte ein Sprecher des russischen Ermittlungskomitees am Montag ganz anders dar: Die Behörden hatten Leonid Raswosschajew am 18. Oktober zur Fahndung in der Russischen Föderation ausgeschrieben. Raswosschajew habe sich dann am Sonntag selbst gestellt und sich schriftlich bekannt, zusammen mit dem Führer der oppositionellen Linksfront, Sergej Udalzow, und weiteren Personen, Massenunruhen in Russland vorbereitet zu haben. Als er aus dem Gericht abgeführt wurde, rief Raswosschajew jedoch wartenden Journalisten zu, er sei aus der Ukraine entführt und zwei Tage lang gefoltert worden.

Auftakt für die Ermittlungen war ein Beitrag des Kreml-Kanals NTW zu angeblichen Putschplänen russischer Oppositioneller. Auch gegen den Linkspolitiker Sergej Udalzow ermittelt die Justiz. Das Geständnis Raswosschajews könnte nun gegen ihn verwendet werden.

Demonstrationen in Russland

Tausende protestieren gegen Putin