Putin:"Wir würden einfach nichts mehr liefern"

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Putin: Putin: "Wir würden einfach nichts mehr liefern, falls dies unseren Interessen widerspricht."

Putin: "Wir würden einfach nichts mehr liefern, falls dies unseren Interessen widerspricht."

(Foto: Stanislav Krasilnikov/AFP)

Der russische Machthaber nutzt einen Auftritt in Wladiwostok, um einmal mehr den Westen zu attackieren - und mit einem Ende sämtlicher Energielieferungen zu drohen.

Von Frank Nienhuysen

Russlands Präsident Wladimir Putin hat dem Westen mit dem Ende sämtlicher Energielieferungen gedroht, falls dieser den Preis für russisches Gas deckeln werde. Sollte irgendjemand "diese dumme Entscheidung" treffen, werde das für ihn zu nichts Gutem führen. "Wir würden einfach nichts mehr liefern, falls dies unseren Interessen widerspricht. Weder Gas noch Öl, Kohle oder Heizöl", sagte Putin am Mittwoch beim Östlichen Wirtschaftsforum in der russischen Pazifikstadt Wladiwostok.

Russland und die Europäische Union steuern damit auf einen schweren Energiekonflikt zu. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen machte am Dienstag in Brüssel deutlich, dass Russland die stark gestiegenen Energiepreise für die Finanzierung des Kriegs in der Ukraine nutze. Die EU müsse deshalb die Preise für russisches Gas und damit Russlands Einnahmen verringern. Putin wiederum erklärte, dass Länder, die Energie aus Russland importierten, nicht in der Position seien, "uns ihren Willen zu diktieren". Sein Land werde keine Probleme haben, genügend Abnehmer zu finden. Er zielte damit auf verstärkte Gaslieferungen nach China ab, die allerdings nach Ansicht von Experten den Einbruch der Energiegeschäfte mit der EU nicht in gleichem Maße kompensieren können.

Über den Energiekonflikt sprachen am Mittwochabend auch die neue britische Premierministerin Liz Truss und Bundeskanzler Olaf Scholz in einem Telefonat. Truss habe gesagt, wie wichtig es sei, Demokratie und Freiheit in Europa aufrechtzuerhalten und Länder zu schützen, die durch Russlands wirtschaftliche Erpressung verwundbar sind", sagte ihre Sprecherin. Die Regierungschefin habe den Wunsch nach engerer Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung geäußert.

Der russische Machthaber nutzte seinen Auftritt im Fernen Osten, um einmal mehr den Westen zu attackieren und verantwortlich zu machen. So warf er den Regierungen westlicher Staaten ein "Sanktionsfieber" vor, mit dem sie letztendlich die ganze Welt bedrohten. Russland nahm er dabei praktisch aus, sein Land trotze den Sanktionen. Die Schwierigkeiten, die sein Land durch den Ausfall westlicher Technologieimporte hat, erwähnte Putin lediglich am Rande. Ohnehin stellte der Kremlchef, der seit Februar einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, bei dem bereits Zehntausende Menschen gestorben sind, sein Land immer wieder als Opfer dar. Den Westen bezichtigte er, er wolle anderen Ländern auf eine angeblich aggressive Art seine Verhaltensmuster aufzwingen.

Den asiatisch-pazifischen Raum pries er dagegen in Wladiwostok als "neue Zentren des wirtschaftlichen und technologischen Wachstums". Putin wird sich in der nächsten Woche beim Treffen der sogenannten Shanghai Five in Usbekistan mit Chinas Staatschef Xi Jinping treffen.

Der Kremlchef äußerte sich auch zur europäischen Debatte über Visa-Einschränkungen für Staatsbürgerinnen und -bürger aus Russland. Putin erklärte, dass diese Länder nur sich selber isolierten, und deutete an, dass Moskau nicht auf gleiche Weise antworten werde. Russland habe ein Interesse daran, dass junge Leute einreisen, um zu studieren oder zu arbeiten. Zugleich verhöhnte er all jene Russinnen und Russen, die wegen des Kriegs und der zugenommenen Repressionen ihre Heimat verlassen. Diese hätten schon immer gegen ihr eigenes Land gearbeitet und seien nun "glücklich" darüber, woanders hinzugehen und "das gleiche Gehalt" zu bekommen.

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