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Punkteregime:Schuld und Sühne

SZ-Grafik und Illustration: Lisa Bucher, Recherche: Kai Strittmatter

Was George Orwell in seinem Buch "1984" noch nicht zu Ende denken wollte, wird jetzt Realität: Wie China seine Bürger mit Social Media und Big Data überwacht, sie für Gehorsam belohnt und für Lügen bestraft.

Von Kai Strittmatter

Es ist doch ganz einfach, sagt der Pekinger Professor. "Es gibt gute Menschen, und es gibt schlechte Menschen. Nun stell dir eine Welt vor, in der die Guten belohnt und die Schlechten bestraft werden." Eine Welt, in der der eine stets den Vortritt hat, weil er Vater und Mutter ehrt, immer über den Zebrastreifen geht und alle seine Rechnungen bezahlt. In der ein solcher Mensch im Zug ein Bett in der "Weich schlafen"-Klasse kaufen darf und bei der Bank Kredit bekommt, der andere aber nicht: der Nachbar, der bei der Hochschulaufnahmeprüfung geschummelt hat, der raubkopierte Filme herunterlädt und dessen Frau gerade ein vom Staat unerwünschtes Kind zur Welt gebracht hat. Eine Welt, in der ein allwissender und allsehender digitaler Mechanismus mehr weiß über dich als du selbst. Ein Mechanismus, der dir dabei helfen kann, dich zu bessern, weil er dir zu jedem Zeitpunkt genau sagt, was du tun kannst, um doch noch ein Ehrlicher, ein Vertrauenswürdiger zu werden. Sag, wäre das nicht eine gerechte, eine harmonische Welt?

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