Psychologie:Was sind Terroristen?

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Die Definition von Terror ist nicht ganz klar, denn der Begriff wird für ganz verschiedene Verbrechen verwendet: von Anschlägen auf Zivilisten mittels Bomben oder anderen Waffen bis zu Attentaten auf Politiker, der Vergiftung von Lebensmitteln im Supermarkt oder die Zerstörung von Gebäuden. Auch Gegner in bewaffneten Auseinandersetzungen werden mitunter als Terroristen bezeichnet. So haben Politiker der Regierung in Kiew wiederholt die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine Terroristen genannt.

Im Gegensatz zu anderen Kriminellen sind Terroristen politisch-ideologisch oder politisch-religiös motiviert, Mitglied einer Organisation oder konspirativen Zelle oder fühlen sich einer solchen zumindest verbunden.

Ursprünglich wurde die Gewalt des Regimes der Revolutionäre in Frankreich nach 1789, das ihre Gegner einschüchtern sollte, als Terror bezeichnet - als régime de terreur. Hundert Jahre später galten Attentäter wie jene, die 1881 den russischen Zaren ermordeten als Terroristen. Im 20. Jahrhundert wurden Gruppen wie die irische IRA als Terrororganisationen betrachtet, die sich selbst als Guerillaorganisationen und Freiheitskämpfer sahen.

Die Rote Armee Fraktion (RAF) in Deutschland wollte mit ihren - immer noch relativ gezielten - Anschlägen auf Vertreter von Politik und Wirtschaft dagegen noch etwas anderes erreichen: Der Staat sollte zu massiven Gegenmaßnahmen provoziert werden, die die Gesellschaft gegen ihre politische Führung aufbringen sollten.

Seit Anschläge sich jedoch zunehmend auch gezielt gegen Zivilisten richten, etwa durch Bomben in Passagierflugzeugen oder in zivilen Gebäuden wie Bahnhöfen, Kinos, Kaufhäusern, Gotteshäusern, Ferienanlagen, Abtreibungskliniken oder bei Volksfesten gibt es eine neue Definition. Terrorismus ist alles, was das Ziel hat, eine Zivilbevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen, sie einzuschüchtern und die Politik zu nötigen, auf die politischen, religiösen oder ideologischen Ziele der Terroristen einzugehen.

Während bis zum 11. September 2001 Terroranschläge relativ häufig durch links- und rechtsextreme Gruppen, Separatisten wie die Eta, irische oder palästinensische "Freiheitskämpfer" verübt wurden, sind die meisten Täter heute religiös-islamistisch motiviert. Terroranschläge im Westen rechtfertigen sie in der Regel zum einen mit der Behauptung, sie würden sich gegen die Unterdrückung der muslimischen Welt durch die Ungläubigen wehren. Zum anderen zielen sie darauf, die Islamfeindlichkeit zu schüren und so weitere Muslime auf ihre Seite zu ziehen. Das weltweit bei weitem häufigste Ziel islamistischer Terroristen sind allerdings Gläubige jeweils anderer muslimischer Glaubensrichtungen.

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