Prozess wegen Vorteilsannahme gegen Ex-Bundespräsident:30 Minuten Pause

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Im Saal ist für zwei Gerichtszeichner reserviert und für 70 Journalisten sowie 50 Besucher. Die Stuhlreihen stehen dicht an dicht, doch bei weitem nicht so eng wie im NSU-Prozess. Alles hier ist um drei Klassen entspannter als in München - kein Wunder: Hier geht es nicht um zehnfachen Mord und Terrorismus, sondern um 753,90 Euro.

So viel Geld soll Groenewold unter anderem für Hotelübernachtungen bezahlt haben, als er Wulff 2008 zum Münchner Oktoberfest einlud. Wulff soll sich später für ein Projekt Groenewolds eingesetzt haben. Der Filmunternehmer sitzt nun ebenfalls in Hannover auf der Anklagebank - wegen Vorteilsgewährung. Auch er hatte eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage abgelehnt.

Niemand musste abgewiesen werden

Zu Beginn des Verfahrens unterbrach der Richter zunächst einmal den Prozess: Groenewolds Anwalt hatte bemängelt, dass die Platzvergabe den Vorgaben des Bundesgerichtshofs widerspricht. Demnach muss die Öffentlichkeit immer mehr Plätze erhalten als die Journalisten. Im Wulff-Prozess aber sind am ersten Tag nicht alle Besucherplätze besetzt - es musste niemand abgewiesen werden. Der Richter verfügte 30 Minuten Pause, um das Problem zu lösen. Anschließend wurde die Anklage verlesen, was nur wenige Minuten dauerte. Die Staatsanwaltschaft führte aus, dass Wulff sich den Erkenntnissen nach als Ministerpräsident korrupt verhalten haben soll.

Die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Hannover hat für das Verfahren 22 Verhandlungstage bis Anfang April kommenden Jahres angesetzt. 46 Zeugen sind geladen, darunter auch einige Prominente. Für den ersten Prozesstag waren noch keine Zeugenvernehmungen angesetzt.

Mit Material von dpa

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