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Provinz:Arm, und nicht sexy

Warum fragt kaum einer mehr das Leben auf dem Land nach? Weil es dort zu wenig Angebote gibt.

Von Anne Kostrzewa

Im weltweiten Vergleich sieht Deutschland unter demografischen Aspekten besonders schlecht aus: Nirgendwo auf der Welt werden weniger Kinder geboren als hier. Bis 2030 werden es eine halbe Million Bundesbürger weniger sein als heute. Und jene, die noch da sind, werden im Schnitt älter sein und vor allem in Städten leben. Besonders die Länder im Osten verlieren Einwohner, und die Provinz sowieso. Ist doch klar, könnte man nun sagen, Berlin ist halt hipper als Hoyerswerda. In der Großstadt gibt es eben Arbeit, Kultur und Bildungsangebote; auf dem Land geht mit dem Kuhmist nur Perspektivlosigkeit einher. Wer so argumentiert, macht es sich aber zu einfach.

In einem wohlhabenden Land wie Deutschland wäre es eine Schande, sich gleichgültig abzuwenden von überalterten Dörfern und massiven Leerständen. Gerade im ländlichen Raum, wo das Durchschnittsalter immer höher wird, ist eine stabile Infrastruktur wichtig: öffentliche Verkehrsmittel, gut erreichbare Ärzte, Geschäfte für den täglichen Bedarf.

Natürlich braucht es dafür Investitionen. Aber nur wo gute Angebote locken, kann es wieder Zuzug geben. Verkümmernde Regionen bedeuten Abwanderung, Engagement bedeutet eine Chance. Berlin hat sich mit "Arm, aber sexy" einen ganz speziellen, gerade für junge Menschen reizvollen Ruf erarbeitet und lebt ganz gut damit. Für viele kleine Gemeinden und Kommunen gilt das leider nicht.

© SZ vom 09.07.2015
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