Amy Baron, 26, Lehrerin für Spanisch und Latein in London

Vor vier Generationen waren meine Vorfahren selbst Flüchtlinge, die in Großbritannien ein besseres Leben suchten. Wie könnte ich es nun wagen und zu neuen Flüchtlingen "bitte nicht" sagen? Die britische Regierung muss sich dazu verpflichten, Asylsuchende zu beschützen. Und sie muss sicherstellen, dass die Migranten bestmöglich unterstützt werden.

Ich arbeite als Lehrerin an einer öffentlichen Schule und bin mir bewusst, dass massenhafte Einwanderung große Auswirkungen auf den Staat, seine Kassen und Angebote haben. In den Schulen werden wir die Angebote für Englisch als Fremdsprache ausbauen und mehr Plätze schaffen müssen. Bildung ist ein Recht, kein Privileg.

Natürlich muss irgendwo eine Grenze gesetzt werden. Die Staaten müssen außerdem enger zusammenarbeiten, um die Verteilung der Immigranten besser auszubalancieren. Als eine der reichsten Nationen der westlichen Welt, mit einer herausragend multikulturellen Hauptstadt, sollte die britische Regierung mit gutem Beispiel vorangehen. Großbritannien schuldet seinen Einwanderern viel. Wenn die Regierung den neuen Einwanderern die richtigen Bedingungen bietet, werden diese mit Dankbarkeit und Entschlossenheit zu uns kommen und sich erkenntlich dafür zeigen, dass ihnen Freiheit geschenkt wurde.

Was das mit meinem Europa-Verständnis zu tun hat? Nicht viel, fürchte ich. Über Europa habe ich nicht viel zu sagen. Zuallerst definiere ich mich über mein religiöses Selbstverständnis, dann über meine britische Staatsangehörigkeit. Europäisch fühle ich mich nicht. Von Amy Baron

Bild: privat 11. November 2015, 14:182015-11-11 14:18:35 © SZ/jasch/hum