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Protokolle aus Gaza und Israel:"Auch ich möchte meine Pflicht tun"

Almog

Almog Angel

(Foto: Privat)

Almog Angel, 24, Student, Holon

"Es kann jederzeit passieren. Viele meiner Freunde wurden bereits wieder zum Armeedienst einberufen - die meisten von ihnen sind sehr stolz darauf, ihr Land verteidigen zu können. Sie wollen die Menschen beschützen, die in der Nähe von Gaza mit Raketen beschossen werden. Ich wurde noch nicht eingezogen, dabei möchte auch ich meine Pflicht tun - allerdings eher aus humanitären Gründen. Ich war in der Armee Sanitäter. Ich habe mich für diese Position entschieden, weil ich was Sinnvolles machen wollte, nämlich Leben bewahren. Ich versorge jeden, egal ob Israeli oder Palästinenser. Sogar Terroristen würde ich behandeln.

Hier in Holon bei Tel Aviv hört man es immer wieder mal knallen. Heute Morgen bin ich von einem Raketeneinschlag aufgewacht. Um in einen der Bunker zu gehen, war ich jedoch zu müde. Es gibt viele, die wegrennen, sobald der Alarm losgeht.

Beide Seiten leiden unter der aktuellen Situation - ich wünschte, es wäre vorbei. Die Aggression geht aber ganz klar von Gaza aus. Ich kann allerdings auch verstehen, warum die Menschen dort einen solchen Hass auf Israel empfinden. Würde ich die ganze Zeit mit Propaganda zugeballert, empfände ich wahrscheinlich ähnlich. Wahrscheinlich muss erst eine neue, besser gebildete Generation unter den Palästinensern heranwachsen, damit Israel Friedensgespräche führen kann.

Maram

Maram Humaid

(Foto: Privat)

Maram Humaid, 23, Aktivistin, Gaza-Stadt

"Seit Tagen bin ich praktisch eingesperrt. Seit Israel mit der Bombardierung von Gaza begonnen hat, sitze ich mit meinen Eltern und Geschwistern bei uns im Haus in Gaza-Stadt herum. Wir versuchen, uns von den Fenstern fernzuhalten, um uns nicht zu verletzen, sollten sie von den Erschütterungen zerspringen.

Vorhin ist eine Rakete so nah bei uns eingeschlagen, dass das Haus minutenlang gewankt hat. Nicht weit von uns stieg eine Rauchwolke auf. Unter diesen Umständen auf die Straße zu gehen, ist gefährlich - aber heute müssen wir zur Bäckerei, denn wir haben kaum noch was zu essen.

Am schlimmsten ist es, wenn die Elektrizität mal wieder ausgeschaltet wird. Denn dann funktioniert weder das Fernsehen noch das Internet und ich kann nicht schauen, was passiert. Dann fühle ich mich wie nackt.

Die Tage vergehen nur schleppend, wir können kaum schlafen wegen der Angriffe. Alle fünf Minuten kracht es irgendwo. Ich versuche meiner Mutter beim Essenmachen zu helfen, um mich abzulenken oder lese im Koran.

Oft sitzen wir zusammen und diskutieren beispielsweise darüber, ob Israel in den Gazastreifen einmarschieren wird. Die meiste Zeit aber warten wir nur auf den Anruf des israelischen Verteidigungsministeriums. Sie warnen die Leute, wenn ein Ziel in ihrer Nähe angegriffen wird und fordern die Leute auf, das Haus zu verlassen. Wir haben unsere Taschen schon gepackt."

Shira

Shira Salimi

(Foto: Privat)

Shira Salimi, 22, Studentin, Sderot

"15 Sekunden - so viel Zeit haben wir, um nach dem Alarm in den Bunker zu gehen. Wir haben selbst einen bei uns im Keller. Er ist besonders geschützt. Alle 30 Minuten heulen die Sirenen auf. Ich fange dann immer an zu zittern. Meine kleine Schwester schläft sogar nachts im Bunker.

Ich wohne mit meiner Familie in einem kleinen Dorf in der Nähe von Sderot. Wenn gutes Wetter ist, kann ich Gaza-Stadt sehen, von wo aus geschossen wird. Heute Morgen explodierte eine Rakete auf der Straße vor unserem Haus. Da alle in ihren Häusern waren, wurde niemand verletzt. Gestern regnete es Einzelteile von einer Rakete, die abgefangen worden war. In solchen Fällen musst du dann die Polizei anrufen und dann kommen Spezialisten und räumen alles weg.

Wir gehen nicht raus, nicht mal, um einzukaufen. Das wäre zu gefährlich. Außerdem hat uns die israelische Armee aufgefordert, weder zur Arbeit noch zur Schule zu gehen. Selbst unsere Hunde lassen wir nicht mehr vor die Tür."

© Süddeutsche.de/mikö/lala
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