Proteste in Russland Zehntausende Putin-Gegner fordern Wiederholung der Wahl

"Das war keine Wahl, das war die Operation eines Verbrechers" - in Russland demonstieren erneut Zehntausende gegen die Wiederwahl von Wladimir Putin. Die Hoffnung von Oppositionsführern auf ein deutliches Anwachsen der Bewegung wird nicht erfüllt. Stattdessen gibt es Diskussionen um die Ziele der Putin-Gegner.

Sie sind wieder da, und wieder sind es viele. Fünf Tage nach der Präsidentschaftswahl in Russland sind in Moskau und St. Petersburg Zehntausende gegen Wahlbetrug und für den Rücktritt von Wladimir Putin auf die Straße gegangen. "Für ein Russland ohne Putin" und "Für freie Wahlen" stand auf Plakaten in Moskau. Das offizielle Motto der Veranstaltung lautete "Das war keine Wahl. Das ist kein Präsident."

Augenzeugen zufolge nahm die Polizei mehrere Demonstranten fest. Darunter soll auch der Chef der oppositionellen Linksfront, Sergej Udalzow, gewesen sein. In St. Petersburg war eine Kundgebung gegen Putin verboten worden. Nachdem sich dennoch etwa 250 Menschen auf einem zentralen Platz versammelt hatten, nahm die Polizei nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP etwa 20 Teilnehmer fest.

Die russische Opposition wirft dem Wahlsieger Wladimir Putin und seiner Partei Einiges Russland vor, beim Urnengang massiv betrogen zu haben. Auch internationale Organisationen bemängelten Unregelmäßigkeiten. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nannte den Wahlgang "unfair".

"Das war die Operation eines Verbrechers, der zurück in den Kreml wollte", sagte der frühere Schachweltmeister Garry Kasparow am Samstag. "Wir alle wurden gedemütigt und beleidigt", sagte der Schauspieler Maksim Witorgan, der bei der Wahl als Beobachter teilgenommen hatte.

Über die genaue Zahl der Demonstranten in Moskau gibt es unterschiedliche Angaben. Die Veranstalter sprachen von mindestens 25.000 Menschen, der Polizei zufolge waren es 10.000. Die Stadt hatte eine Demonstration mit 50.000 Teilnehmern genehmigt.

Damit wurde die Hoffnung der Opposition enttäuscht, die Bewegung könne schnell wachsen und Putin stärker in Bedrängnis bringen. "Wenn 100.000 Leute kommen, werden wir schnell Ergebnisse bekommen", wurde der später von der Polizei festgenommene Sergej Udalzow zitiert. "Wenn es nicht so viele sein werden, wird es ein längerer Weg." Für Anfang Mai hatte Udalzow zu einem "Millionenmarsch" aufgerufen, um gegen die Amtseinführung Putins zu demonstrieren.

Die Opposition setzte sich auf ihrer Kundgebung in Moskau mit dem Vorwurf Putins auseinander, sie habe kein Konzept und keine Ziele. "Wir haben klare Forderungen: Politische Reformen, Schaffung einer unabhängigen Justiz, Ende der Medienzensur, Direktwahl der Gouverneure und Neuwahl der Staatsduma und des Präsidenten", sagte der außerparlamentarische Politiker Wladimir Ryschkow.

Die prominente Fernsehmoderatorin Ksenia Sobtschak entgegnete: "Wir wissen, wogegen wir sind, aber jetzt müssen wir äußerst schnell unser "Für" formulieren".

Die junge Regionalparlamentarierin Vera Kitschanowa forderte eine "Orangene Revolution" nach dem Vorbild der Ukraine. Davor brauche niemand Angst zu haben, da der Wandel in der ehemaligen Sowjetrepublik 2004 friedlich verlaufen sei. Putin hatte wiederholt vor "bunten Revolutionen" gewarnt, mit denen das Ausland die einstigen Mitgliedsländer der Sowjetunion destabilisieren wolle.