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Proteste in Iran:Digitale Mauern

Das Regime schottet sich ab, weil es weiß, welche Dynamiken sich aus der Macht der Bilder entwickeln können.

Das Regime in Iran hat seine Lektion gelernt: Mit einer fast kompletten Sperre des Internets versucht es zu verhindern, dass sich Informationen, Bilder und Videos von den Protesten verbreiten - mit einigem Erfolg. Zwar dringen nach und nach Aufnahmen aus der Islamischen Republik ans Licht der Welt, die den Berichten von iranischen Bürgern Glaubwürdigkeit verleihen, dass der Sicherheitsapparat mit großer Brutalität vorgeht. Aber noch immer gibt es kein umfassendes Bild der Lage in dem Land.

Kaum jemand weiß, wer die Männer sind, die Molotowcocktails gegen Banken schleudern, nicht einmal in Iran. Provokateure aus den Reihen des Regimes? Oder doch ausländische Agenten? Die Verunsicherung ist groß. Gepaart mit der massiven Präsenz des Sicherheitsapparates schüchtert das viele Menschen ein.

Die Macht der Bilder, potenziert durch die Verbreitungsmechanismen des Internets, befeuern die Proteste im Irak oder in Libanon. Zugleich dokumentieren sie die Gewalt des Sicherheitsapparates. Nicht jedes Video ist echt, aber in mühsamer Puzzlearbeit fügt sich ein Bild. Das Regime in Iran schottet sich ab, weil es darum weiß, welche Dynamiken sich daraus entwickeln können. Es steht allen Demokratien gut an, den Iranern zu helfen, diese digitalen Mauern des Schweigens und der Angst zu durchbrechen.