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Proteste in Frankreich:Mehr als 70 Festnahmen bei Demo in Paris

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Zwei junge Männer bei der Kundgebung in Nord-Paris.

(Foto: AFP)
  • Bei einer Kundgebung gegen Polizeigewalt in Paris sind 76 Menschen festgenommen worden. Auch in Nantes und Toulouse kam es am Samstag zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei.
  • Vor einer Woche wurde ein junger Mann bei einer Demonstration gegen einen Staudamm von einer Polizeigranate getötet. Seitdem gibt es landesweite Proteste.

Proteste gegen Polizeigewalt in Paris

Eine Woche nach dem Tod eines jungen Demonstranten in Frankreich haben sich hunderte Menschen in mehreren Städten an Kundgebungen gegen Polizeigewalt angeschlossen. In Paris versammelten sich am Sonntag rund 300 Menschen zu einer nicht genehmigten Kundgebung; 76 wurden nach Angaben der Polizei vorläufig festgenommen. In Nantes und Toulouse gab es am Samstag Ausschreitungen mit mindestens neun Verletzten und dutzenden Festnahmen.

Bei der Kundgebung am Pariser Stalingrad-Platz setzte die Polizei Tränengas ein. Sie erklärte, einige der Demonstranten seien mit Hämmern, Zangen, Schlagringen und Brandsätzen bewaffnet gewesen. Die Kundgebungsteilnehmer skandierten: "Polizei überall - Gerechtigkeit nirgendwo!"

Auch in Nantes, Toulouse und zahlreichen weiteren Städten wurde protestiert

An der Demonstration in Nantes am Samstag nahmen laut Polizei bis zu 800 Menschen teil. Die Ausschreitungen begannen am Nachmittag, an ihnen beteiligten sich nach Angaben der Behörden rund 200 gewaltbereite Demonstranten. Sie riefen unter anderem "Bullen, Schweine, Mörder" und warfen mit Flaschen und anderen Gegenständen auf Beamte. In Nantes sollen nach Angaben des Präfekten der Region Loire-Atlantik einige Flaschen mit Säure gefüllt gewesen sein.

Die Polizei setzte unter anderem Tränengas und Gummigeschosse ein. Fünf Demonstranten wurden verletzt, einer von ihnen erlitt einen offenen Nasenbruch. Auch drei Polizisten wurden nach Behördenangaben verletzt. 21 Kundgebungsteilnehmer wurden festgenommen. Erst am Abend kehrte Ruhe ein.

Demonstriert wurde auch in Lille, Amiens, Bordeaux, Avignon, Montpellier, Brest und Saint-Brieuc. In Dijon gingen Schaufensterscheiben zu Bruch, Wände wurden mit Parolen verschmiert. Nach Medienberichten wurden insgesamt 110 Menschen festgenommen.

Junger Demonstrant starb durch Polizeigewalt

In Frankreich gab es in dieser Woche immer wieder Demonstrationen, nachdem am vergangenen Wochenende der 21-jährige Student Rémi Fraisse bei Protesten gegen einen Staudamm in Südfrankreich ums Leben gekommen war. Er wurde vermutlich durch eine Polizeigranate getötet und ist damit seit fast 30 Jahren der erste Demonstrant, der in Frankreich durch Polizeigewalt getötet wurde.

Der Vorfall löste landesweit Bestürzung aus, das Staudammprojekt wurde vorerst gestoppt. Innenminister Bernard Cazeneuve untersagte den Einsatz von Granaten bei der Polizei. Frankreichs Regierung und Vertreter der Opposition verurteilten die Gewalt.

Staatschef François Hollande und seine Regierung hatten offenbar die Sprengkraft unterschätzt, die der Tod des jungen Demonstranten haben würde. Erst am Dienstag - zwei Tage nach Bekanntwerden des tödlichen Vorfalls - traten Hollande und sein Premier Manuel Valls vor die Kameras, um den Angehörigen des Studenten öffentlich ihr Beileid auszusprechen und eine rasche Aufklärung zu versprechen.

Umweltschützer protestieren seit Monaten gegen den Bau eines Staudamms in einem Wald rund 50 Kilometer nordöstlich von Toulouse. Fraisse' Tod hatte die Kritik an dem millionenschweren Projekt verstärkt. Umwelt- und Energieministerin Ségolène Royal will sich am Dienstag mit allen Gesellschaftern des Projekts treffen, um das weitere Vorgehen zu beraten.