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Proteste in der Ukraine:Die Zeit spielt für Klitschko

Vitali Klitschko

Er führt die Proteste gegen den ukrainischen Präsidenten Janukowitsch an: Vitali Klitschko.

(Foto: dpa)

Die Demonstranten in Kiew beantworten die Gummigeschosse der Polizei mit Molotowcocktails. Doch Gewalt ist gar nicht nötig - denn die Opposition sitzt am längeren Hebel.

In dieser Phase kann es keinen Sieger mehr geben, außer der Vernunft. Ein gewalttätiger Machtkampf in der Ukraine ist kein Bürgerkrieg, noch gibt es also Eskalationsstufen, die verhindert werden können. Das müsste Präsident Viktor Janukowitsch dabei eigentlich wissen: Mit Schlagstöcken, Gewehren und scharfen Gesetzen lassen sich die europäisch gesinnte Opposition und deren Anhänger nicht mehr einschüchtern. Denn anders als etwa in Weißrussland ist ihre Zahl zu groß, ihre Angst zu gering, dass aus ihnen isolierte Opfer des Staatsapparats werden. Die Macht der Masse - das ist der größte Trumpf des Klitschko-Lagers.

Umgekehrt muss die Opposition vermeiden, sich von radikalen Molotow-Cocktail-Werfern diskreditieren zu lassen. Vor allem im ukrainischen Osten sind die regierungsfreundlichen Medien noch in der Lage, die Stimmung in der Bevölkerung zu beeinflussen. Chaos, Anarchie, eine entflammte, unkontrollierbare Revolte, solche Bilder machen sich autoritäre Regierungen gern zunutze, um erst recht durchzugreifen.

Die Zeit aber spielt für die Opposition. Zur Not sollte sie deshalb ihren Blick weiter nach vorn richten, ihre Präsenz im Osten und Süden stärken, ganz auf den ukrainischen Sporthelden Vitali Klitschko als Repräsentanten setzen. Im nächsten Jahr sind Wahlen, schwer vorstellbar, dass Janukowitsch es dann noch mal schafft.

© SZ vom 23.01.2014/fie
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