Proteste in der Türkei Aktivisten lassen Doku-Drohnen fliegen

Drohnen werden nur militärisch eingesetzt? Von wegen. Zwei Istanbuler Aktivisten nutzen die unbemannten Flugobjekte, um die Anti-Erdoğan-Demos und Polizeiübergriffe zu dokumentieren. Inzwischen haben sie damit allerdings auch die Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte auf sich gezogen.

Wer das Wort Drohnen hört, denkt wahrscheinlich sofort an das amerikanische Töten per Fernsteuerung in Afghanistan oder das Euro-Hawk-Desaster. Doch die Proteste in der Türkei zeigen, dass die unbemannten Flugobjekte langsam aber sicher den militärischen Kontext verlassen.

Zwei Istanbuler nutzen Drohnen, um die Proteste auf dem Taksim-Platz aus der Luft zu filmen. Die Videos, die sie ins Netz hochgeladen haben, dokumentieren Protestmärsche und Polizeiübergriffe - mal aus der Vogelperspektive, mal knapp über den Köpfen der Akteure schwebend.

Alex Rühle hat für die Mittwochsausgabe der SZ mit den beiden Aktivisten gesprochen, die sich Jenk1907 und Ufuk A. nennen. Eigentlich, erklären sie, wollten sie nur den Gezi-Park filmen, bevor er "einem Haufen" Beton weicht.

"Wir sind Anfänger"

Als dann Proteste begannen, wurden die Drohnen schnell zum Instrument der Dokumentation. "Wir sind Anfänger", erzählt Jenk1907, "Inzwischen können wir ganz gut steuern, aber wir machen die Starts und Landungen immer noch am liebsten von einer Terrasse oder einem Dach aus, einem Ort, wo keine Menschen sind." Was man da treibe, sei "sehr riskant".

Auch bei den Demonstrationen sind die Doku-Drohnen inzwischen bekannt - und bei der Polizei. Die schoss eine der beiden Fluggeräte ab, nahm Ufuk A. fest und verprügelte ihn, wie die Aktivisten berichten. Nachdem die verbleibende Drohne aufgrund der Sicherheitslage einige Tage am Boden blieb, soll sie heute Abend wieder fliegen, um den "stehenden Protest" zu filmen.

Das komplette Interview mit den Aktivisten lesen Sie in der Mittwochsausgabe der Süddeutschen Zeitung. Eine lesenswerte Bestandsaufnahme zur zivilen Drohnennutzung findet sich in der New York Times.