Libyen Gaddafis Angst vor dem "Tag des Zorns"

Libyens Machthaber hat erklärt, er werde keine Massenproteste dulden. Entsprechend hart gehen seine Sicherheitskräfte vor - ebenso wie die Polizei in Bahrain. Angeblich gab es bereits mehrere Tote.

In Libyen sind bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten, der Polizei sowie Gaddafi-Anhängern seit Dienstagabend angeblich bis zu sieben Menschen getötet worden. Fünf von ihnen seien in Al-Baida umgekommen, zwei in Bengasi, der zweitgrößten Stadt des Landes nach der Hauptstadt Tripolis.

Die Informationen stammen aus Kreisen der Opposition und von Nichtregierungsorganisationen. Medienberichten zufolge warfen Demonstranten Steine auf die Polizei, die die Proteste binnen einer Stunde mit Wasserwerfern und Knüppeln beendete. Die Unruhen konzentrieren sich bislang auf die Städte im Nordosten des Landes.

In Bengasi hatten nach Informationen des britischen Senders BBC etwa 2000 Menschen für die Freilassung eines regierungskritischen Anwalts demonstriert. Auf Amateurvideos waren allerdings auch Menschen zu sehen, die "Gaddafi raus" riefen. Von Toten war in den Berichten bislang nicht die Rede gewesen.

Machthaber Muammar el Gaddafi, der das Land seit mehr als 40 Jahren regiert, hatte bereits die jüngsten Volksaufstände in Tunesien und Ägypten scharf kritisiert und angekündigt, dass er keine Massendemonstrationen dulden werde. Dass er es damit ernst meint, hat er in der Vergangenheit bereits mehrfach bewiesen. Jeder Protest wurde bislang gewaltsam unterdrückt.

Trotzdem haben Regierungskritiker für Donnerstag zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen. Sie forderten im Online-Netzwerk Facebook unter dem Titel "Revolte des 17. Februar 2011" zu Kundgebungen und Streiks in dem nordafrikanischen Staat auf. Tausende Menschen unterstützten bei Facebook den Aufruf.

Die Proteste sollen an die Ereignisse des 17. Februar 2006 erinnern. Damals waren Demonstrationen gegen die Mohammed-Karikaturen in Bengasi in eine Protestaktion gegen die libysche Führung übergegangen. Es gab Tote und Verletzte. Eine zweite Gruppe rief ebenfalls im Internet zu Demonstrationen gegen Korruption und Vetternwirtschaft auf.

Die EU forderte von der libyschen Führung, Demonstrationen und freie Meinungsäußerung zuzulassen. "Wir verfolgen die Situation ganz genau", sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton, Maja Kocijancic.

Tote in Bahrain

Im arabischen Königreich Bahrain ist die Polizei am frühen Donnerstagmorgen gewaltsam gegen mehrere tausend Demonstranten vorgegangen, die eine Reform des autoritären Regimes gefordert hatten. Dabei kamen mehrere Menschen ums Leben, die Angaben schwanken zwischen mindestens zwei bis vier getöteten Personen, Dutzende wurden verletzt. Damit stieg die Zahl der Demonstranten, die bei den seit nunmehr fünf Tagen anhaltenden Protesten getöteten wurden, auf insgesamt bis zu sechs.

Tausende Demonstranten hatten in der Nacht zu diesem Donnerstag auf dem zentralen Lulu-Platz in Manama ausgeharrt. Gegen drei Uhr Ortszeit habe die Polizei den Platz dann umstellt und ohne Vorwarnung das Feuer auf die Menschen eröffnet, berichteten Augenzeugen der Nachrichtenagentur dpa. Als die Menschen in Panik von dem Platz geflohen seien, hätten Polizisten mit Schlagstöcken sie noch in die umliegenden Straßen verfolgt. Anschließend riegelten die Polizeikräfte den Platz mit Stacheldraht ab. Stunden später waren an allen großen Straßen Kontrollposten der Polizei zu sehen. Patrouillen fuhren durch die Stadt, offenbar um größere Menschenansammlungen zu verhindern. Auch Schützenpanzer und Panzer waren zu sehen.

Während die größte Oppositionsgrupe des Landes von zwei Toten sprach, berichteten Ärzte des Salamynia-Krankenhauses in Manama, dass zwei Tote mit Schusswunden in die Klinik gebracht worden seien. Ein drittes Opfer soll nach Angaben von Notfallhelfern auf dem Lulu-Platz seinen Verletzungen erlegen sein. Mindestens 45 Verletzte wurden im Krankenhaus behandelt. Viele hätten Schusswunden erlitten oder seien durch Tränengasgranaten verletzt worden, sagte Ärzte.

Zu Tausenden - die Angaben schwankten zwischen 5000 und 20.000 - hatten sich die Menschen schon am Mittwoch nach der Beisetzung eines am Vortag getöteten Demonstranten auf dem Lulu-Platz versammelt, darunter auch viele Frauen und Kinder. Nach den gewaltsamen Zusammenstößen der Vortage verlief der Protest zunächst aber friedlich. Vereinzelt war während der Beerdigung zum "Sturz des Regimes" aufgerufen worden. Die meisten Oppositionellen erklärten jedoch, sie forderten lediglich Reformen.

Auch im Jemen gibt es weiterhin Proteste. Am Mittwoch haben 2000 Polizisten versucht, die seit sechs Tagen anhaltenden Demonstrationen in der Hauptstadt Sanaa einzudämmen. Die Protestierenden verlangen den Rücktritt des seit 32 Jahren regierenden Präsidenten Ali Abdullah Salih. In der südjemenitischen Stadt Aden ist bei Auseinandersetzungen mit Polizisten ein Demonstrant ums Leben gekommen. Es ist der erste Tote im Zusammenhang mit den Protesten.