Proteste in der arabischen Welt "Dramaturgie der Straße"

Popovic schätzt, dass der Film weltweit bisher von etwa 25 Millionen Menschen gesehen wurde. Beliebt ist auch das Buch "Gewaltloser Kampf in 50 Schritten", eine von Otpor-Führern verfasste Anleitung zum Regimewechsel, die von unzähligen jungen Revolutionären im Nahen Osten gratis aus dem Internet heruntergeladen wurde.

Internetseiten wie Facebook waren Katalysatoren der Revolution in Ägypten. Die serbische Aktivistengruppe Otpor hat den Oppositionellen in Kairo geraten, auf die Online-Taktik zu setzen.

(Foto: REUTERS)

"Diese jungen Leute mit den komischen Fahnen"

Otpor wurde 1998 als Studentenorganisation gegründet und war eine Antwort auf die Unterjochung der Universitäten und die Hetzjagd auf Professoren, die sich für Demokratie und Reformen einsetzten. Nach dem Sturz Milosevics gingen einige Aktivisten in die Politik, andere blieben Weltverbesserer und wurden im November 2003 über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Damals drangen Mitglieder der georgischen Bewegung Kmara ("Genug") mit einer Otpor-Fahne in das Parlament in Tiflis ein und vertrieben Staatschef Eduard Schewardnadse vom Rednerpult.

Später sagte Schewardnadse, er habe diese jungen Leute mit komischen Fahnen ignoriert: "Das war ein großer Fehler." Vor dem Sturz hatten Kmara-Aktivisten Seminare über die "Dramaturgie der Straße" besucht, die ein Otpor-Mitglied veranstaltet hatte. In Tiflis hatten die Serben einen guten Draht zum US-Botschafter Richard Miles, der in den neunziger Jahren als Missionschef in Belgrad die Anti-Milosevic-Proteste unterstützt hatte.

Für eine Revolution braucht man aber nicht nur gute Beziehungen, sondern auch Geld. Als wichtigster Unterstützer der Revolutionäre gilt der amerikanische Milliardär George Soros mit seiner Stiftung "Open Society". Die Bewegung Kmara soll eine halbe Million Dollar erhalten haben. Spiritus Rector der Facebook-Revolutionäre ist der US-Professor Gene Sharp, dessen Hauptwerk "Von der Diktatur zur Demokratie" mittlerweile in 28 Sprachen übersetzt wurde.

Nach der unblutigen Wende in Georgien zog die Karawane der kreativen Umstürzler nach Kiew, um die ukrainische Jugendbewegung Pora zu beraten. Sie versuchte, durch zivilen Ungehorsam einen Wahlbetrug zu Gunsten des damaligen Kandidaten Viktor Janukowitsch zu vereiteln. Mit Erfolg. Nun fiebern die Otpor-Gründer den Ereignissen in Libyen, Jemen und Bahrain entgegen.