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Proteste in Ägypten:17 Tote bei Straßenschlachten

Ein ägyptischer Polizist löscht sein Fahrzeug, das bei Konflikten mit den Muslimbrüdern in Brand gesteckt wurde.

(Foto: AFP)

Gewalttätige Proteste in Ägypten: Trotz Verbot demonstrieren die islamistischen Muslimbrüder weiter gegen den Sturz von Präsident Mohammed Mursi und das geplante Verfassungsreferendum. Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei sterben 17 Menschen.

Bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Muslimbrüder und der Polizei sind in mehreren ägyptischen Städten am Freitag 17 Menschen getötet worden. Bei den Protesten kurz vor der Wiederaufnahme des umstrittenen Gerichtsverfahrens gegen Ägyptens ehemaligen Präsident Mohammed Mursi wurden nach Angaben des Gesundheitsministerium zudem 57 Menschen verletzt und mehr als 120 weitere festgenommen.

Die regierungsnahe Tageszeitung Al-Ahram berichtet hingegen von 258 Festnahmen. Die Muslimbruderschaft hatte zu Protesten gegen das am 14. und 15. Januar geplante Verfassungsreferendum aufgerufen, das ihre Anhänger boykottieren sollen.

In einem östlichen Vorort von Kairo gingen Tausende Anhänger des Islamisten Mursi auf die Straße, steckten Reifen in Brand und bewarfen Polizisten mit Feuerwerkskörpern sowie Steinen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Auch Schüsse waren zu hören. Dort und in mehreren anderen Bezirken setzten die Sicherheitskräfte nach den Freitagsgebeten Tränengas ein.

Im Stadtviertel Giseh zündeten Demonstranten ein Polizeifahrzeug mit Brandbomben an, wie ein Vertreter der Sicherheitsbehörden sagte. Im Vorort Maadi beschossen sie in der Nähe eines Militärkrankenhauses die Polizei mit Feuerwerkskörpern. Einige Demonstranten warfen auch Steine und skandierten "Nieder mit der Militärführung" - aus Protest gegen Mursis Entmachtung durch die Armee im vergangenen Juli.

Verhandlung gegen Mursi wird fortgesetzt

Die wichtigsten Plätze in Kairo waren mit Stacheldraht und Armeefahrzeugen abgesperrt, darunter der Tahrir-Platz. Die Proteste richteten sich auch gegen die Fortführung eines Prozesses gegen Mursi am kommenden Mittwoch. Ägyptens erster demokratisch gewählter Staatschef steht seit Anfang November vor Gericht. In dem Prozess geht es um Vorwürfe der Anstachelung zum Mord an sieben Demonstranten während der Proteste gegen Mursi vor dem Kairoer Präsidentenpalast im Dezember 2012.

Wegen eines Gefängnisausbruchs 2011 soll Mursi zudem vom 28. Januar an ein weiterer Prozess gemacht werden. Auch Spionagevorwürfe gegen ihn stehen im Raum, ein Gerichtstermin hierfür ist aber noch offen. Seit Mursis Sturz wurden in Ägypten mehr als 1000 Menschen getötet und Tausende Islamisten festgenommen. Im Dezember stufte die ägyptische Übergangsregierung die Muslimbruderschaft als "Terrororganisation" ein. Damit ist die Mitgliedschaft in der Bewegung und sogar der Besitz ihrer Publikationen strafbar.