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Proteste im Jemen:Mit Scharfschützen gegen Demonstranten

Eine neue Welle der Gewalt erfasst den Jemen: Nach dem blutigen Sonntag feuern auch zu Wochenbeginn wieder Scharfschützen des Regimes auf unbewaffnete Demonstranten. Ein Baby soll dabei getötet worden sein. Wie der TV-Sender al-Arabija berichte, ist es den Oppositionellen aber offenbar gelungen, eine Militärbasis zu stürmen.

Der Konflikt zwischen Demonstranten und Machthabern im Jemen eskaliert weiter, die Lage in der Hauptstadt Sanaa ist nach einem neuerlichen Blutbad angespannt. Soldaten von Präsident Ali Abdullah Salih schossen am Montag mit scharfer Munition auf unbewaffnete Demonstranten. 22 Menschen seien dabei getötet worden, berichteten Ärzte und Helfer eines improvisierten Lazaretts.

Jemen Erneut Tote im Jemen Video
Auseinandersetzungen

Erneut Tote im Jemen

Augenzeugen zufolge schossen auf Dächern postierte Scharfschützen auf Regierungsgegner.

Erneut waren zuvor zehntausende Menschen gegen Staatschef Ali Abdallah Saleh auf die Straße gegangen. Augenzeugen zufolge wurden einige Zivilisten von Kugeln von auf Dächern positionierten Scharfschützen getroffen. Andere seien bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften und bewaffneten Regierungsanhängern getötet worden.

Eine Mutter sagte der Nachrichtenagentur AFP, ihr zehn Monate altes Baby und ihr zehn Jahre alter Sohn seien getötet worden, als das Fahrzeug der Familie nahe dem Platz des Wandels, dem Zentrum der Proteste, von Kugeln getroffen worden sei.

Nach Angaben von Anwohnern lieferten sich Sicherheitskräfte auch Auseinandersetzungen mit Soldaten einer Panzerbrigade, die im März zu den Regierungsgegnern übergelaufen waren. Dabei seien drei desertierte Soldaten gestorben.

Mit Hilfe der abtrünnigen Militärs ist es Tausenden von Oppositionsanhängern offenbar auch gelungen, eine Basis der Republikanischen Garden von Präsident Salih zu stürmen. Augenzeugen berichteten dem arabischen TV-Sender Al-Arabija, es sei bei dem Angriff am Montagabend in Sanaa kein einziger Schuss gefallen. Es ist eine der wenigen Nachrichten aus der jemenitischen Hauptstadt, die dieser Tage optimistisch stimmen.

Auch in anderen Städten des Landes gab es am Montag wieder Demonstrationen. Nach Angaben von Ärzten und Augenzeugen wurden in der südlichen Stadt Taiz zwei Menschen getötet und Dutzende verletzt, als die Sicherheitskräfte unterstützt von Panzern gegen die Demonstranten vorgingen.

Damit geht die Gewalt in dem arabischen Land auch zu Wochenbeginn unvermindert weiter. Am Sonntag erst waren bei einem Protestmarsch 26 Demonstranten getötet und Hunderte verletzt worden. "Die Lage ist sehr angespannt", sagte ein Bewohner der Hauptstadt. Die meisten Geschäfte blieben geschlossen, ebenso die Schulen und Universitäten.

EU und USA fordern ein Ende der Gewalt

Vor dem UN-Menschenrechtsrat riefen in Genf Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und die USA unterdessen die Regierung in Sanaa zu einem Ende der Gewalt und einer friedlichen Lösung des seit Monaten andauernden Konflikts auf.

Die US-Gesandte beim Menschenrechtsrat, Eileen Chamberlain Donahoe, sagte, Washington sei besorgt über "die immer beunruhigenderen Berichte über Gewalt" im Jemen. Es sei nun Zeit für einen politischen Wandel, die Verantwortlichen für die blutige Niederschlagung der Proteste müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Der jemenitische Außenminister Abubakr al Kirbi erklärte am Montag, seine Regierung sei zu politischen Reformen bereit. Vorwürfe bezüglich unangemessener Gewalt seitens der Polizei und regierungstreuer Milizen wies er jedoch zurück. Er warf seinerseits einigen Oppositionsgruppen vor, in terroristische Aktivitäten verwickelt zu sein. "Wir haben Beweise vorgelegt, dass viele Anschuldigungen gegen die Sicherheitskräfte jeder Grundlage entbehren", sagte al Kirbi in Genf.

Im Jemen wird seit Januar für ein Ende der seit 1978 andauernden Herrschaft von Präsident Saleh demonstriert. Seither kamen mehrere hundert Menschen ums Leben. Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Dschamal Benomar, und der von den Golfstaaten ernannte Vermittler Abdellatif Sajani trafen am Montag in Sanaa ein, wie ein westlicher Diplomat sagte. Sie wollten mit der Führung des Landes einen Ausweg aus der Krise suchen.